Besteht in Deutschland eine Helmpflicht für Fahrradfahrer?

Gründe für und gegen eine Fahrrad-Helmpflicht


In Deutschland besteht keine Helmpflicht für's Fahrrad

In Deutschland besteht keine Helmpflicht fürs Fahrrad

Ein Helm ist nicht besonders bequem. Doch er schützt Radfahrer vor gefährlichen Kopfverletzungen. Da in Deutschland keine Helmpflicht für Fahrradfahrer besteht, muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er zum Helm greifen möchte – oder ob er ohne Helm Fahrrad fährt. Es drohen gemäß Verkehrsrecht keine Bußgelder, wenn man ohne Helm Fahrrad fährt. Nur 13 Prozent aller Deutschen setzen beim Radfahrern auf Sicherheit und tragen regelmäßig einen Helm.

Eine generelle Helmpflicht beim Fahrrad wird bislang abgelehnt, da der Gesetzgeber hier an die individuelle Entscheidungsfähigkeit der Bürger appelliert. Eine Helmpflicht auf dem Fahrrad in Deutschland stößt aber auch auf Befürworter – seit den 1970er Jahren findet sich das Thema immer wieder in der Diskussion. Immerhin kann ein Helm bei einem Sturz das Ausmaß der Verletzungen mildern.

Ein Fahrradhelm schützt vor Verletzungen, nicht aber vor den Unfällen. Es ist zu befürchten, dass bei einer Fahrradhelmpflicht die Verkehrsteilnehmer weniger Rücksicht auf die Fahrradfahrer nehmen, da sie durch den Helm als geschützt gelten, was nur vermeintlich der Fall ist. Auch ist zu befürchten, dass sich die Radfahrer selbst ebenfalls riskantere Fahrweisen aneignen, weil ihnen der Helm das Gefühl gibt, weniger verwundbar zu sein.

Gegenargumente zur Helmpflicht für Fahrradfahrer

Zusätzlich ist als Gegenargument zu einer Fahrradhelmpflicht die Tatsache zu nennen, dass Kopfverletzungen bei Unfällen von Fahrradfahrern nur etwa fünf bis zehn Prozent ausmachen. Damit sind Fußgänger und Autofahrer für Kopfverletzungen weitaus gefährdeter, als Radfahrer es sind.

Weiterhin befürchten Experten, dass eine Helmpflicht für Fahrradfahrer dazu führt, dass immer weniger Menschen radfahren, weil ihnen das Fahren mit dem Helm nicht zusagt und sie einen Bußgeldbescheid aufgrund der Missachtung der Helmpflicht vermeiden wollen. Doch das Ausweichen von Fahrrad auf die Autonutzung ist kontraproduktiv: Es ist belastend für die Umwelt, zudem entfaltet das Autofahren im Gegensatz zum Fahrradfahren keine positiven Effekte für die Gesundheit.

Die Helmpflicht für manche Fahrzeuge ist im Verkehrsrecht verankert

Bislang gibt es keine konkreten Bestrebungen, in Deutschland eine Helmpflicht für Radfahrer zu etablieren. Das Verkehrsrecht sieht jedoch an einigen Stellen eine Helmpflicht vor: Seit 1976 ist eine Helmpflicht für die Fahrer und Beifahrer von Krafträdern in offenen drei- oder mehrrädigen Kraftfahrzeugen ohne Sicherheitsgurte gesetzlich vorgeschrieben. Seit dem Jahr 1978 gibt es auch eine Helmpflicht für Mopedfahrer.

Die Helmpflicht für das Fahrrad steht immer wieder zur Debatte

Die Helmpflicht für das Fahrrad steht immer wieder zur Debatte

Trotz dieser Gegenargumente empfehlen Experten immer wieder das Tragen eines Fahrradhelms, so beispielsweise auf dem 47. Deutschen Verkehrssicherheitstag. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kopfverletzung nur wenige Prozent beträgt, ist es sinnvoll, sie aktiv zu verhindern. Ein Fahrradhelm kann Radfahrer vor den fatalen Folgewirkungen einer Kopfverletzung schützen. Gerade Kinder, die im Straßenverkehr noch etwas übermütiger agieren, können mit einem Fahrradhelm optimal geschützt radfahren. Etwa 75 Prozent aller Kinder zwischen sechs und zehn tragen regelmäßig Helme, um beim Radfahrern sicherer unterwegs zu sein.

Probleme mit der Versicherung bei Verzicht auf einen Fahrradhelm

Wer sich gegen einen Helm entscheidet und in einen Unfall verwickelt ist, der könnte Probleme mit der Versicherung bekommen. Diese könnte die Schadensersatzleistungen drosseln und das mit der Tatsache begründen, dass der Radfahrer sich nicht mit einem Helm vor Verletzungen geschützt hat. Doch eine aktuelle Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle stellt klar: Nur wenn ein Radfahrer eine besonders risikobehaftete Fahrweise aufweise, dürfe die Versicherung dem Radfahrer ein Mitverschulden an seinen Verletzungen anrechnen.

Fahrradhelmpflicht in beliebten Urlaubsländern

Wer im Ausland Fahrrad fährt, sollte sich beizeiten darüber informieren, ob eine Helmpflicht im Urlaubsland besteht. Bei der Missachtung der Helmpflicht außerhalb von Deutschland können gemäß der dortigen Bußgeldtabelle Bußgelder anfallen.

  • Helmpflicht Fahrrad – Schweiz: In der Schweiz gibt es derzeit keine Fahrradhelmpflicht, jedoch gibt es konkrete Entwürfe zur Einführung einer Helmpflicht. Wie in Deutschland auch, müssen seit dem Jahr 1981 die Fahrer und die Beifahrer von Motorrädern und offenen drei- oder mehrrädrigen Kraftfahrzeugen ohne Sicherheitsgurte einen Helm tragen, um sich vor Kopfverletzungen bei Unfällen zu schützen.
  • Helmpflicht Fahrrad – Italien: In Italien besteht keine Fahrradhelmpflicht.
  • Helmpflicht Fahrrad – Österreich: Auch in Österreich besteht keine generelle Radfahrer-Helmpflicht. Erwachsene haben nicht die Pflicht, Helme zu tragen. Es besteht jedoch eine Fahrradhelmpflicht für Kinder bis zum Alter von 12 Jahren. Achten Sie beim Anlegen des Helmes an ein Kind auf die korrekte Passform. Denn zum einen entfaltet der Helm nur seine optimale Schutzwirkung, wenn er richtig sitzt. Zum anderen ist ein Helm, der falsch getragen wird – z.B. weil er zu klein oder zu groß ist – besonders unbequem.
  • Radfahrer in Ländern wie Spanien, Finnland oder auch Neuseeland haben die Pflicht, beim Radfahrern einen Helm zu tragen.
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  • Jan Meves 29. Juli 2015, 14:27

    Ich finde eine Helmpflicht für Radfahrer falsch. Ich fahre oft 10 Kilometer Rad auf einem Radweg. Ein Unfall ist da unwarscheinlich. Fährt man jedoch in die Innenstadt macht ein Helm eventuel Sinn. Ich bekomme von Helmen Kopfschmerzen und eine Helmpflicht würde somit gegen meine Menschenrechte verstoßen. Ich finde jeder sollte selber entscheiden können. Manche Kinder fahren leider etwas unvorsichtig und Ihre Eltern kaufen Ihnen trotzdem keinen Helm darum bin ich der Meinung das jedes Kind auf Antrag kostenlos einen Helm bekommen sollte.

    • Stefan 11. Dezember 2016, 23:33

      „Jan Meves“ wenn Sie vom Helmtragen Kopfschmerzen bekommen, dann haben Sie einen falschen Helm, der Ihnen nicht passt also zu klein ist. Verstehen Sie worauf ich hinaus will.
      Und ich bin auch der Meinung, dass Kinder, wie in Österreich einen Helm bis 12 Jahre tragen müssten obwohl mich eine generelle Helmpflicht auch nicht mehr stören würde (hab mich zwar auch früher darüber aufgeregt…).
      PS: Ich bin jetzt 16 Jahre alt und bekomme einen Helm zu Weihnachten geschenkt, da ich per Rennrad unterwegs bin und ich das sicherer finde. Meine Mutter fand das gut und deshalb bekomme ich den geschenkt den ich will. 🙂
      Gruß Stefan

  • Daniela 12. März 2016, 14:44

    Gegen deine Menschenrechte?Sorry,schnallst du dich dann im Auto auch nicht an,weil es vorgeschrieben ist?Wieso müssen Kinder u Erwachsene nicht? Kinder sehen Erwachsene immernoch als Vorbild, tragen diese keinen, verstehen Kinder nich unbedingt warum sie denn dann einen tragen sollen. Ich bin für eine Helmpflicht für alle.Im Winter stört mich Der Gurt im Auto auch und anschnallen muss ich mich trotzdem. Bußgelder nehmen auch die Menschen in Kauf,die sich nich anschnallen. Dann nehmen die das auch in Kauf bei einer Helmpflicht.

    • Dietmar 17. Mai 2016, 10:44

      Grundsätzlich hat die Einschränkung einer Freiheit im weitesten Sinne etwas mit Menschenwürde zu tun und sollte deshalb immer gut abgewägt werden. Leider zeigt sich, dass diese Abwägung häufig sehr emotional geschieht und bisweilen paranoide Züge annimmt. Wenn es nach nüchternen Gesichtspunkten ginge, dann dürften Menschen nicht in Erdbebenzonen oder in der Nähe von Vulkanen wohnen und Mütter kleiner Kinder an solchen Entscheidungen nicht teil haben. Dann würden Studien und Statistiken über verschiedenste Risiken ausgewertet mit dem möglichen Ergebnis, dass alte Leute nicht mehr ohne Rollator laufen dürften, man im Haushalt nicht mehr ungesichert auf eine Leiter oder sonstiges klettern darf und dass man im Auto zusätzlich zum Gurt auch noch einen Helm tragen muss (wie die Rennfahrer). Leider ist das Verkehrsgeschehen sehr komplex und so können Maßnahmen zur Vermeidung möglicher Verletzungsfolgen umgekehrt zu einer Häufung von Unfälle führen, stehen diese doch im Zusammenhang mit Wahrnehmung, Gewöhnung und Achtung der Fahrradfahrer im Straßenverkehr. Das Beispiel Niederlande (wo fast nur Rennradfahrer und deutsche Touristen Helme tragen) zeigt, wie man Radfahrer durch verstärkte Präsenz und Rücksichtnahme besser schützen kann als durch Einschränkung ihrer Freiheit.

  • Jan 19. September 2016, 17:19

    Die Gewinner bei einer Helmpflicht sind nur die Versicherungen.

    Wenn man ohne Helm einen Unfall hat und es besteht Helmpflicht hat man fahrlässig gehandelt, wenn man keinen auf hatte. Die eigene Unfallversicherung und die HP-Versicherung des Verursachers können sich so in der ihnen eigenen schäbigen Art um Zahlungen drücken.

    Merke: Kein Gesetz ohne Lobbyist !

    PS: Natürlich trage ich im Stadtverkehr einen Helm – dazu reicht es, das es nicht verboten ist.

  • wolf 1. Februar 2017, 15:10

    Ich finde ebenfalls eine Helmpflicht als nicht erstrebenswert. Wo soll das ganze enden? Ich kann den Menschen bei uns nicht in Deutschland jegliche Eigenverantwortung absprechen. Das Risiko eines Unfalls mit dem Fahrrad sehe ich bei normaler Fahrweise als äusserst gering an. Würde jemand erwarten im Winter nur noch mit dem Helm aus dem Haus zu gehen weil dann ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht? Aber wenn jemand sportlich Unterwegs ist, Touren fährt oder z. B. sich im Großstadtverkehr bewegt ist ein Helm vernünftig.

  • Peter 23. April 2017, 13:10

    Ich finde die Akzeptanz einen Helm zu tragen sollte steigen. Gegen eine Helmpflicht bin ich nicht, da es bei einem Unfall ja jetzt schon eine Mitschuld geben kann. Ein Helm kann Verletzungen am Kopf verhindern oder die Schwere der Verletzung verringern, schützt aber nicht grundsätzlich vor Verletzungen. Alle anderen Körperteile sind weitgehend ungeschützt, lediglich lange Kleidung ggf. mit Verstärkungen (Protektoren) kann Verletzungen verringern. Wenn man einen „vorbildlich“ gekleideten Motorradfahrer sieht, kann man leicht erkennen, welcher Schutz darüber hinaus noch sinnvoll ist. Intergralhelm,Motorradhandschuhe, abriebfestes Material der Bekleidung, Protektoren an den Knien, Hüfte, Schulter, Ellenbogen, Rücken, Händen usw. Wenn man dann daneben einen sportlich fahrenden Radfahrer in der Stadt oder auf der Straße mit kurzem Trikot und Hose und einen Fahrradhelm sieht, dann kommen mir Fragen auf. Danach scheint der Schutz durch einen Fahrradhelm nicht ausreichend zu sein, auch wenn man die Risiken auf dem Motorrad sicher nicht 1:1 auf das Fahrrad übertragen kann (in den Bergen kamen mir da Zweifel, wenn man als Motorradfahrer bergab von Rennradfahrern überholt wird).
    Da ich täglich (mit Helm) zur Arbeit fahre (8 km eine Tour mit einem Trekkingrad) und auch schon einige Stürze, hauptsächlich auf Seite und ein mal auf die Schulter hinter mir habe, würde ich mir einen leichten Protektor an der Schulter und Hüfte ggf. auch am Knie wünschen (gibt es schon, muss ich noch testen). Der Helm hat bei meinen Stürzen bisher noch nie etwas gebracht, würde aber trotzdem nie darauf verzichten. Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, ist dieser nicht hinderlich. An kalten Tagen habe ich eine dünne Fahrradmütze drunter. Das reicht für 99 % der Fahrten aus. Ansonsten gibt es ja auch noch eine wasserdichte Haube für den Helm oder eine Kaputze. Den Helm schließe ich mit meinem Rahmenschloss an, das hat die letzten 15 Jahre immer problemlos geklappt. Dann muss ich den Helm nicht mitnehmen. Was noch wichtig ist – gutes Licht auch am Tag!

  • berni 23. April 2017, 20:19

    ihr habt alle recht?????
    ich bin 63 jahre alt und fahre scchon sehr lange ohne helmn fahrrad.
    zum glück ohne unfall. ich kenne keinen der einen unfall hatte wo der helm aus billigen kunststoff schlimmeres verhindert hätte. schaut euch doch einmal reiterhelme oder reiterkappen an und sagt mir warum sind diese hochwertig und dadurch auch teuer. WENN ALSO HELM DANN DOCH EINEN DER AUCH ETWAS NÜTZT UND NICHT ETWAS AUF DEM KOPF.

  • Julian 12. Mai 2017, 22:27

    Ich will keine Helmpflicht! Helme sehen scheiße aus und leben retten kann der auch nicht!

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