Ablenkung im Straßenverkehr: Die unterschätzte Gefahr

Egal ob der schnelle Blick auf das Smartphone, das Einstellen des Navigationsgeräts oder die Suche nach der heruntergefallenen Wasserflasche, eine Ablenkung im Straßenverkehr ist eine der am meisten unterschätzten Unfallursachen in Deutschland. Oft wird sie als „Sekundensache“ abgetan, doch die Folgen sind häufig fatal.

Bußgeldkatalog

Tat­bestandBußgeldPunkteFahr­verbotLohnt ein Einspruch?
Das Handy am Steuer benutzt (als Fahrer eines Kfz)100 EUR1Hier prüfen **
- mit Gefähr­dung150 EUR21 MonatHier prüfen **
- mit Sach­beschä­digung200 EUR21 MonatHier prüfen **
Das Handy beim Rad­fahren benutzt55 EUR

FAQ: Ablenkung im Straßenverkehr

Was bedeutet Paragraph 23 StVO?

Unter anderem regelt dieser Paragraph der StVO die Ablenkung am Steuer, vor allem durch die Nutzung des Handys. Elektronische Geräte dürfen nur genutzt werden, wenn sie nicht in die Hand genommen werden, nur eine Sprachsteuerung/Vorlesefunktion genutzt wird oder der Blick nur kurz abgewendet wird.

Was ist die häufigste Ursache für Unfälle durch Ablenkung am Steuer?

Die Nutzung des Smartphones am Steuer ist die häufigste Ursache für Ablenkungsunfälle. Auch das Bedienen von Infotainmentsystemen und die Interaktion mit Mitfahrern spielen eine bedeutende Rolle. Diese Infografik veranschaulicht die häufigsten Gründe.

Wie hoch ist das Bußgeld wegen einer Ablenkung am Steuer?

Das Bußgeld wegen des Handys am Steuer beträgt zwischen 100 € und 200 € sowie einen bzw. zwei Punkte in Flensburg. Für andere Ablenkungen gibt es keinen genauen Bußgeldbetrag. Die genauen Beträge finden Sie hier.

Ablenkung im Straßenverkehr und deren Einfluss auf das Fahrverhalten

Die Rechtsgrundlage zur Ablenkung regelt die StVO.
Die Rechtsgrundlage zur Ablenkung regelt die StVO.

Laut Definition beschreibt eine Ablenkung im Straßenverkehr sämtliche Einflüsse, die die Aufmerksamkeit des Fahrers vom eigentlichen Fahren ablenken.

Da die Aufmerksamkeit zwischen dem Fahren und der Ablenkung hin und her springt, sind die Fahrzeughalter nicht voll und ganz auf das Autofahren konzentriert.

In dieser Zeit ist das Gehirn für Gefahrensituationen quasi blind. Das Unfallrisiko wird somit drastisch erhöht.

Welche Arten von Ablenkung gibt es?

Im Wesentlichen gibt es vier Arten von Ablenkung, die das Fahrverhalten beeinflussen:

  • Visuelle Ablenkung im Straßenverkehr: Ihr Blick ist nicht auf der Fahrbahn (z. B. ein Blick auf das Handy oder eine Werbung am Straßenrand).
  • Auditive Ablenkung: Das Gehör wird durch laute Musik oder komplexe Telefonate beansprucht, wodurch Warnsignale wie Sirenen überhört werden können.
  • Motorische Ablenkung im Straßenverkehr: Eine oder beide Hände sind nicht am Lenkrad (z. B. beim Essen, Trinken oder Greifen nach Gegenständen im Fußraum).
  • Kognitive Ablenkung: Ihre Gedanken sind nicht beim Verkehr (z. B. durch Stress, Tagträume oder emotionale Gespräche).

Besonders die Ablenkung durch das Handy im Straßenverkehr kombiniert meist alle vier Arten und vervielfacht so das Unfallrisiko. Die DA Direkt hat 2026 zur Ablenkung im Straßenverkehr eine Statistik veröffentlicht, mit den häufigsten Ablenkungen bei jungen Fahrern. Folgende Infografik visualisiert diese Gründe:

Wie viele Unfälle entstehen wegen dem Handy am Steuer?

2024 kam es in Deutschland wegen Ablenkung zu 8.722 Unfällen mit Personenschaden. Davon sind 1.041 Unfälle auf die Nutzung des Handys zurückzuführen.

Wie schnell entstehen Unfälle durch eine Ablenkung?

Eine Ablenkung durch das Handy am Steuer kommt am häufigsten vor.
Eine Ablenkung durch das Handy am Steuer kommt am häufigsten vor.

Die Gefahr der Unaufmerksamkeit wird oft unterschätzt, da die zurückgelegte Strecke während der Ablenkung nicht wahrgenommen wird. Wer zum Beispiel bei einem Tempo von 50 km/h nur eine Sekunde unaufmerksam ist, legt bereits 14 Meter zurück, ohne die Straße zu beobachten.

Diese Distanz erhöht sich bei zunehmender Geschwindigkeit drastisch. Fahren Sie mit 100 km/h und werden abgelenkt, legen Sie 28 Meter blind zurück. Bei 130 km/h sind es sogar 36 Meter.

Gibt es für die Ablenkung im Straßenverkehr ein Bußgeld?

Die rechtliche Grundlage bildet vor allem der Paragraph 23 der StVO. Hier ist explizit festgelegt, dass Sie ein elektronisches Gerät nicht benutzen dürfen, wenn Sie es dafür aufnehmen oder halten müssen. Auch die Bedienung von Touchscreens ist nur erlaubt, wenn die Aufmerksamkeit kurzzeitig beansprucht wird und die Sichtverhältnisse es zulassen.

Eine Ablenkung im Straßenverkehr ahndet die Polizei mit einem Bußgeld.
Eine Ablenkung im Straßenverkehr ahndet die Polizei mit einem Bußgeld.

Bei einer Ablenkung am Steuer kann die Strafe auch drohen, wenn die Sicht oder das Gehör durch andere Dinge (z. B. zu laute Musik oder Kopfhörer) beeinträchtigt werden. Zudem kann die Versicherung bei einem Unfall wegen grober Fahrlässigkeit die Leistung kürzen.

Benutzen Sie das Handy am Steuer, droht ein Bußgeld von 100 € und ein Punkt in Flensburg. Gefährden Sie dabei andere Verkehrsteilnehmer oder kommt es zu einem Unfall, steigt das Bußgeld auf 150 € bzw. 200 € an und es werden 2 Punkte in Flensburg fällig.

Für andere Ablenkungen gibt es keinen expliziten Bußgeldtatbestand wie beim Handy, jedoch können Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht (z. B. bei Unfällen) mit 10 € – 35 € Verwarngeld geahndet werden.

Ablenkung im Straßenverkehr: Prävention

Um die Ablenkung beim Autofahren zu minimieren, sollten Sie folgende Tipps zur Prävention beachten:

Eine Ablenkung im Straßenverkehr kann bereits durch eine Werbung am Straßenrand entstehen.
Eine Ablenkung im Straßenverkehr kann bereits durch eine Werbung am Straßenrand entstehen.
  • Vorbereitung: Stellen Sie Navigationsziel und Musik ein, bevor Sie den Motor starten.
  • Handy außer Reichweite: Schalten Sie Ihr Handy stumm oder legen Sie es in das Handschuhfach.
  • Pausen nutzen: Wenn Sie müde werden oder die Konzentration nachlässt, machen Sie eine Pause. Das beugt auch dem lebensgefährlichen Sekundenschlaf vor.
  • Beifahrer als Assistent: Lassen Sie Ihren Beifahrer Nachrichten vorlesen oder das Navi bedienen.
  • Stopp-Regel: Wenn etwas im Fußraum liegt oder Kinder Aufmerksamkeit benötigen, halten Sie sicher am nächsten Parkplatz an.

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Über den Autor

Dr. Philipp Hammerich (Rechtsanwalt)
Dr. Philipp Hammerich

Rechtsanwalt Dr. Philipp Hammerich promovierte nach seinem Jura-Studium beim damaligen Richter am BVerfG, Prof. Dr. Hoffmann-Riem, am OLG in Hamburg. Er befasst sich als Autor für bussgeld-info.de für Verbraucher mit allen Fragestellungen rund um das Verkehrsrecht und Bußgeldverfahren.

Bildnachweise

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