Europastraße: Verbindet den Kontinent über Grenzen hinaus

Bei einer Europastraße handelt es sich um eine Klasse der Fernstraße.

Bei einer Europastraße handelt es sich um eine Klasse der Fernstraße.

Eine sogenannte Europastraße hat wohl jeder Autofahrer schon einmal befahren, entweder auf einem Teilstück in Deutschland oder während des Urlaubs im europäischen Ausland. Diese Fernstraßen verbinden nicht nur Länder untereinander, sondern sorgen dafür, dass auf dem gesamten Kontinent ein Netzwerk entstanden ist, das in der Regel durchgängig befahrbar ist.

Europastraßen werden in Deutschland wie auch in den anderen Ländern durch besondere Verkehrszeichen gekennzeichnet, was die Orientierung im Netz dieser Fernstraßen vereinfacht. Was eine Europastraße genau ist, wie Verkehrsteilnehmer diese erkennen und weitere wichtige Informationen finden Sie im nachfolgenden Ratgeber zum Thema.

Was bedeutet „Europastraße“?

Grundsätzlich ist eine Europastraße eine bestimmte Klasse von Fernstraße. Sie befindet sich üblicherweise in Europa, kann jedoch auch ein Ort in Zentral- und Kleinasien als Ziel oder Ausgangspunkt haben. So verbindet beispielsweise eine Europastraße Norwegen nicht nur mit seinen skandinavischen Nachbarn, sondern ein weitere auch mit der Krim am Schwarzen Meer.

Gekennzeichnet wird eine Europastraße durch ein Verkehrszeichen: Eine weißes E und die Straßennummer befinden sich auf grünem Grund.

Gekennzeichnet wird eine Europastraße durch ein Verkehrszeichen: Eine weißes E und die Straßennummer befinden sich auf grünem Grund.

Ein weiteres Beispiel für die Verbindung über größere Strecken ist die Europastraße 1, die von Nordirland nach Portugal führt. Auch die Europastraße 55 von Schweden nach Griechenland zeigt, dass diese Fernstraßen den gesamten Kontinent durchziehen. Sie verlaufen sowohl von Nord nach Süd als auch von West nach Ost und umgekehrt.

Das Netz dieser Fernstraßen umfasst derzeit etwa 50.000 km, welche vorrangig dem internationalen Verkehr dienen und reibungslose Verbindungen ermöglichen sollen. Nicht nur Autobahnen werden als Europastraße gekennzeichnet, sondern auch Land- bzw. Bundestraßen. Für eine solche Europastraße ist das Verkehrszeichen immer ein grünes, das mit einem weißen E und der dazugehörigen Straßennummer beschriftet ist. Diese Kennzeichnung sowie die Nummerierung ermöglicht es Verkehrsteilnehmern sich zu orientieren. Denn jede Nummer bezeichnet einen bestimmten Verlauf der jeweiligen Verbindung.

Wann eine Straße als Europastraße über das Schild ausgewiesen wird, kann sich je nach Land unterscheiden. So kann die Bezeichnung oft parallel zur nationalen Nummerierung der jeweiligen Straßen angebracht sein. In Deutschland beispielsweise werden die Nummern auf Autobahnen nur bei den Entfernungsanzeigen angegeben, ansonsten nicht. Auf Land- und Bundestraßen ist die Nummerierung der Europastraße hingegen häufiger zu finden. In Norwegen oder Schweden werden nationale Fernstraßen grundsätzlich nur mit der Europa-Nummerierung gekennzeichnet. In Belgien und Dänemark wiederum trifft das nur bei den Autobahnen zu.

Weitere Informationen zur Europastraße

Da eine Europastraße in der Regel mehrere Länder miteinander verbindet, sollten sich Verkehrsteilnehmer über die jeweils gültigen Verkehrsregeln informieren. Besondere Regelungen gibt es für eine Europastraße nicht. Welche Regelungen gelten, ist davon abhängig, um was für eine Art Straße es sich im jeweiligen Land handelt. Ist eine Autobahn als Europastraße gekennzeichnet, sind die entsprechenden lokalen Vorschriften zu befolgen, Gleiches gilt bei einer Landstraße oder wenn die Europastraße innerorts verläuft. Die Kennzeichnung dient, wie erwähnt, ausschließlich der Wegweisung sowie der Orientierung und hat keinen Einfluss auf die jeweiligen Verkehrsvorschriften des Landes, in dem die Europastraße verläuft.

Beispiel für eine Hauptroute ist die Europastraße 45 von Norwegen nach Italien.

Beispiel für eine Hauptroute ist die Europastraße 45 von Norwegen nach Italien.

Bereits in den 1930er Jahren wurden Konzepte für ein internationales Straßennetz in Europa erarbeitet. Vorrangig ging es hier um die Schaffung von Schnellstraßen, woraus sich die ersten einheitlich nummerierten Fernstraßen in Europa ergaben. Teilweise kann am Netz noch abgelesen werden, welche geschichtliche Entwicklung in Europa stattfand. So mündet eine Europastraße in einer nachrangigen Straße, wenn diese sich an der innerdeutschen Grenze befand, oder andere umgehen ganze Gebiete, um möglichst wenig Grenzübertritte erforderlich zu machen.

Kennzeichnung als Europastraße: Der Verlauf bestimmt die Nummer

Rechtlich gesehen, bestimmen die Vereinten Nationen sowie die ECE (Economic Commission for Europe, übersetz: Wirtschaftskommission für Europa) gemeinsam als UNECE den Verlauf von Europastraßen. Die Grundlage hierfür bildet das „Europäische Übereinkommen über die Hauptstraßen des internationalen Verkehrs“ von 1975, dass die Vertragspartner verpflichtet, das Netzwerk aus Europastraßen in der nationalen Verkehrsentwicklung zu berücksichtigen.

Das Abkommen führte zu einer Neuordnung der Europastraßen und 1985 auch zu einer neuen Nummerierung dieser. Beteiligt am Netz sind nicht nur Mitgliedstaaten der Europäischen Union, sondern auch weitere europäische und asiatische Länder. In unregelmäßigen Abständen wird der bestehenden Liste eine Europastraße hinzugefügt, entfernt oder der Bestand aktualisiert.
Der Verlauf einer Europastraße wird in Deutschland und auch generell von der UNECE bestimmt.

Der Verlauf einer Europastraße wird in Deutschland und auch generell von der UNECE bestimmt.

Wie erwähnt, gab es bis 1985 ein altes Nummerierungssystem. In diesem waren die wichtigsten Fernfahrerrouten einstellig gekennzeichnet, alle anderen zweistellig. So verlief die alte Europastraße 5 von London nach Istanbul und wurde nur mit E 5 gekennzeichnet. Es kann immer noch vorkommen, dass Teilabschnitte nicht umbenannt wurden und auch heute noch einstellig nummeriert sind. So beispielsweise auf der Europastraße 4 in Schweden und Finnland, anstatt der jetzt üblichen E 04 weisen die Schilder weiterhin die E 4 aus.

Das bedeutet auch, dass heute alle Europastraßen zwei- oder dreistellig nummeriert sind. Die Straßen werden für die Nummerierung in Kategorien unterteilt, die sowohl die Wichtigkeit der Route als auch deren Verlauf berücksichtigt. Die wichtigsten Verbindungen werden als Kategorie A bezeichnet und sind zweistellig beziffert. Eine solche Europastraße hat entweder eine 5 oder eine 0 als Endziffer.

Die 5 verweist auf einen Verlauf von Nord nach Süd, die 0 auf einen von West nach Ost. Der Beginn der Route befindet sich dann im Norden respektive im Westen. So verläuft beispielsweise die Europastraße 55 (E55) über Tschechien beginnt jedoch in Schweden und endet in Griechenland. Die Europastraße 40 hingegen beginnt in Calais und führt bis an die chinesische Grenze nach Kasachstan. Sie ist zudem auch die längste Route im Netz.

Eine Übersicht zu den derzeitigen Europastraßen bietet die UNECE auf ihrer Webseite. Die Karte des Straßennetzes ist als PDF-Dokument hier hinterlegt. Jede Europastraße auf der Karte ist so vermerkt, sodass sich Autofahrer über deren Verlauf informieren können.

Welche Kategorien gibt es noch für eine Europastraße?

Die Europastraße 3 in Frankreich ist ein Beispiel für eine ausschließlich nationale Verbindung im Straßennetz.

Die Europastraße 3 in Frankreich ist ein Beispiel für eine ausschließlich nationale Verbindung im Straßennetz.

Neben den wichtigsten Routen der Kategorie A werden auch andere Routen in das Netz der Europastraßen aufgenommen. Eine Europastraße, die zwischen den Hauptrouten verläuft und auch zum Hauptnetz gehört, hat entsprechend der Grundrichtung dieser Hauptrouten eine gerade oder ungerade zweistellige Nummer.

Straßen, die von denen der Kategorie A abzweigen bzw. diese miteinander verbinden oder an diese anschließen gehören in der Regel zur Kategorie B und besitzen als Europastraße eine dreistellige Nummer. Die Nummerierung folgt auch hier bestimmten Regelungen. Oftmals verläuft eine Europastraße der Kategorie B auch nur als nationale Straße in einem Land und verbindet so lediglich die Hauptrouten miteinander. Grenzübergreifende Verläufe sind in einigen Regionen jedoch keine Seltenheit.

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