Wattwanderung: Was ist unbedingt zu beachten?

Bei einer Wattwanderung bewegen Sie sich häufig innerhalb eines Nationalparks. Das bedeutet, dass hier eine besondere Sorgfaltspflicht gilt und strenge Regeln zu beachten sind. Aber welche Bußgelder können bei verbotswidrigem Verhalten bei einer Wattwanderung drohen?

VerstoßBußgeld
Hunde unangeleint laufen lassenbis 2.500 €
unnötigen Lärm verursachenbis 2.500 €
Einfriedungen errichten oder verändernbis 2.500 €
archäologische Funde entfernenbis 2.500 €
Pflanzen abschneiden, abpflücken, abreißen, ausgraben, entfernen oder anderweitig beschädigenbis 10.000 €
Wildtiere stören, fangen, verletzen oder töten (gilt auch für Jungtiere oder Niststätten)bis 10.000 €
verbotswidrig jagen oder fischenbis 10.000 €
verbotswidriges Angeln oder Fischen bis 10.000 €
invasive Arten einbringen (nicht dorthin gehörige Pflanzen oder Tiere)bis 10.000 €
Drachen steigen lassen (oder Nutzung anderer Flugmodelle)bis 10.000 €
Bäume, Hecken, Gehölze beseitigenbis 10.000 €
Pflanzenschutz- oder Düngemittel anwenden bis 10.000 €
Watt verbotswidrig befahrenbis 10.000 €
Wasserfahrzeuge im Watt trockenliegen lassen, Watt von diesen aus betretenbis 10.000 €
Watt verunreinigenbis 50.000 €
Bodenschätze abbauen, Sprengungen, Bohrungen, Veränderung der Boden- und Wasserflächenbis 50.000 €

Wandeln auf dem Meeresgrund

Was sollten Sie bei einer Wattwanderung beachten?
Was sollten Sie bei einer Wattwanderung beachten?

Direkt vor unserer Haustür, in der Deutschen Bucht mitten in der Nordsee, liegt das weltgrößte Wattenmeer. Durch die Gezeiten – Ebbe und Flut – wird das Watt zweimal täglich vom Meerwasser freigelegt und wieder überspült. Große Teile des Wattenmeers vor der niederländischen, dänischen und deutschen Küste wurden seit 2009 sogar von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt

Die Faszination der weiten Wattflächen, durchzogen von Prielen (verschlungene Wasserläufe), Sandbänken, weiten Salzwiesen und bevölkert von einer Vielzahl von Tieren, lädt Jahr ein, Jahr aus unzählige Touristen zu entspannenden Wanderungen ein. Doch wie bei vielen Dingen in der Natur geht die faszinierende Schönheit auch mit einer gewissen Gefahr einher.

Wenn Sie durch das Watt wandern wollen, gilt es daher, einige Regeln zu beachten, um wieder sicher an Land zu gelangen. Im Folgenden geben wir ein paar Tipps fürs Wandern im Wattenmeer – und klären auch, für welches Fehlverhalten ggf. sogar Bußgelder drohen können.

Heimtückische Schönheit: Zu den Gefahren des Wattenmeers

Einheimische sind in der Regel mit den Gefahren des Watts gut vertraut. Knud Knudsen etwa, der weltweit einzige Wattpostbote, durchwandert seit 2001 das ganze Jahr über alle paar Tage von Pellworm aus die Schlicklandschaft – unfallfrei. Einen Eindruck von seinem Arbeitsalltag erhalten Sie im folgenden Video:

Die meisten, die im Watt in Gefahr geraten, sind in der Tat Touristen. Selbstüberschätzung, fehlende Kenntnisse, Unterschätzung der Gefahr: Immer wieder verirren sich Menschen bei einer eigenmächtigen Wattwanderung oder werden von der Flut überrascht.

In einer Sommernacht im Jahr 2018 etwa konnten Retter in buchstäblich letzter Sekunde einen Vater und dessen Kinder vor dem Ertrinken retten. Sie irrten durch die Dunkelheit, die Flut war bereits so hoch gestiegen, dass der Vater die Kinder auf den Armen tragen musste. 

Doch nicht nur die Flut stellt bei einer Wattwanderung eine große Gefahr dar:

Durch das Watt zu wandern kann nicht nur schön, sondern durchaus auch gefährlich sein.
Durch das Watt zu wandern kann nicht nur schön, sondern durchaus auch gefährlich sein.
  1. Schlicklöcher: Der Untergrund im Schlickwatt ist alles andere als fest. Hier und dort gibt es Stellen, die von Wasser unterspült sind. Treten Personen in solche Löcher, ist das wie das Versinken im Treibsand. Es ist nur schwer möglich, sich eigenständig aus dem Schlick wieder zu befreien.
  2. Priele: Das Wasser fließt bei Ebbe nicht komplett ab. An einigen Stellen bilden sich Rinnen und kleine Wasserläufe, die sich Flüssen gleich durchs Watt winden. An diesen Stellen ist die Gefahr des Einsinkens sehr hoch. Bei einsetzender Flut können zudem starke Strömungen in den Prielen entstehen.
  3. Wetter: Das Wetter kann an den Küsten vergleichsweise plötzlich umschlagen. Nebelbänke und aufziehende Gewitter stellen für Wattwanderer dabei die größte Gefahr dar.
  4. Muscheln und Steine: Zwar bietet es am meisten Halt, barfuß durchs Watt zu wandern, doch sollten Personen ohne Schuhwerk einen Umweg um Muschelbänke oder Steinfelder machen. Die Gefahr, sich an scharfen Kanten zu verletzen ist hier besonders hoch. Sollten Sie sich doch einmal eine Wunde zugezogen haben, sollte diese umgehend versorgt werden, um Entzündungen und Infektionen zu vermeiden.
  5. Orientierungslosigkeit: Wer sich zu weit von der Küste entfernt, dem fehlen häufig feste Orientierungspunkte. Das kann dazu führen, dass sich Menschen bei einer Wattwanderung verirren und schlimmstenfalls vom Hochwasser überrascht werden.

Auf zur Wattwanderung: Tipps für eine sichere Heimkehr

Wattwanderung bei Gewitter? Achtung, es besteht Lebensgefahr.
Wattwanderung bei Gewitter? Achtung, es besteht Lebensgefahr.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) hat für Wattwanderungen einen 13 Punkte umfassenden Leitfaden mit Tipps herausgegeben, die Unglücke im Watt vermeiden sollen. Personen sollten die folgenden Hinweise vor Betreten der Schlickflächen beherzigen:

  1. Wandern Sie niemals alleine durch das Watt. Im Falle eines Unglücks ist andernfalls niemand in der Nähe, der Ihnen helfen könnte.
  2. Sie sollten sich an ortskundige Wattführer wenden. An den Küsten gibt es zahlreiche Angebote für geführte Wattwanderungen, die von ausgebildeten Fachkräften beaufsichtigt werden. Sie kennen die Tücken des Wattenmeers, können Gefahren vermindern und in brenzligen Situationen angemessen Hilfe leisten.
  3. Informieren Sie sich über die Gezeiten im Wattenmeer. Wann ist Hoch-, wann Niedrigwasser? Die Tiden lassen sich sehr verlässlich voraussagen. Unter anderem geben Touristeninformationen regelmäßig Gezeitenhinweise heraus. (Achtung: Die Gezeiten verändern sich mit der Stellung des Mondes zur Erde, da sie von dessen Anziehungskraft beeinflusst werden. Sie variieren daher von Tag zu Tag, je nach Mondphase.)
  4. Umgehen Sie sichtbare Gefahrenquellen wie Senken, Priele, Löcher, Muschel- sowie Schlickfelder und Steilkanten. Hier ist die Gefahr des Einsinkens besonders hoch.
  5. Eine Wattwanderung sollte nur bei Tageslicht und guten Wetter- sowie Sichtverhältnissen erfolgen (ausschließlich in den Sommermonaten). Wenn Sie bei Nebel, Sturm, Kälte oder Dunkelheit durch das Watt laufen, besteht erhöhte Lebensgefahr.
  6. Behalten Sie die Windrichtung im Blick (nutzen Sie die Wolken zur Orientierung).
  7. Folgen Sie bei plötzlich aufkommendem Nebel Ihren eigenen Fußspuren zurück in Richtung Festland. Rufen Sie wenn nötig laut um Hilfe.
  8. Eine Wattwanderung während eines Gewitters ist lebensgefährlich, weil die Gefahr von Blitzschlag auf den freien, ungeschützten Flächen besonders hoch ist.
  9. Eine genaue Planung ist unerlässlich. Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend Zeit für Hin- und Rückweg haben, bevor Sie sich auf eine Wattwanderung begeben, damit Sie nicht von der Dunkelheit oder der Flut überrascht werden. Berücksichtigen Sie dabei, dass sich Entfernungen auf den weiten Flächen nur schwer abschätzen lassen.
  10. Behalten Sie einen Fixpunkt am Festland im Blick, um die Orientierung bei der Wattwanderung nicht zu verlieren und sicher zum Strand wieder zurückzufinden.
  11. Geben Sie mindestens einer Person am Festland Bescheid, bevor Sie ins Watt hinaus wandern. Sollten Sie nicht rechtzeitig zurückkehren, kann diese Hilfe rufen.
  12. Kinder unter 8 Jahren sollten nicht an einer Wattwanderung teilnehmen. Sie verfügen noch nicht über die ausreichende Kraft und Körpergröße, um sich aus Schlicklöchern befreien zu können oder sich gegen leichte Strömungen zu stemmen.
  13. Kehrt das Wasser langsam zurück, sollten Sie einen großen Bogen um Priele machen. Die Strömung in den Wasserläufen kann so stark werden, dass selbst geübte Schwimmer gegen diese nicht ankommen können.
  14. Beim Wattwandern sind in der Regel keine Schuhe vorgeschrieben. Grundsätzlich können Sie auch barfuß durchs Watt laufen. Achten Sie jedoch dann besonders auf mögliche Muschelfelder oder andere scharfkantige Gegenstände, um Verletzungen zu vermeiden. Wollen Sie auf Nummer Sicher gehen, können Sie enganliegende Turnschuhe (nicht die Lieblingsschuhe!) oder festsitzende Gummistiefel/Gummischuhe tragen. Zu weite Stiefel geben keinen ausreichenden Halt und können auch beim Einsinken zum Problem werden.

Was ist, wenn eine Wattwanderung schiefgeht? Geraten Sie aufgrund fahrlässigen Verhaltens bei einer Wattwanderung in Not, kann Ihnen unter Umständen zumindest ein Teil der Rettungskosten in Rechnung gestellt werden. Dies gilt im Übrigen auch bei geführten Wanderungen, wenn der Wattführer keine Verantwortung für den Zwischenfall trägt.

Einen Eindruck davon, wie faszinierend und entspannend eine Wattwanderung trotz aller Gefahren sein kann, wenn Sie in sich in die Hände erfahrener Wattführer begeben, erhalten Sie im folgenden Video des Auswärtigen Amtes:

Nationalpark Wattenmeer: Bußgelder bei Verstößen möglich

Ein Großteil des Wattenmeers wurde mittlerweile als Nationalpark und Biosphärenreservat ausgewiesen:

  • Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
  • Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer
  • Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Personen, die Nationalparks durchwandern, obliegt eine besondere Sorgfaltspflicht. Ob Tier- und Pflanzenwelt oder die Beschaffenheit der natürlichen Umgebung: Alles soll so erhalten bleiben, wie es ist, damit sich auch kommende Generationen an der Schönheit erfreuen können, aber auch die unzähligen Vögel, Seehunde und andere Tiere ihren sicheren Hafen behalten. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit teils hohen Bußgeldern rechnen.

Die Nationalparks sind dabei in unterschiedliche Schutzzonen eingeteilt. Zugänglich ist dabei in aller Regel nur die Schutzzone 2 in Küstennähe und zwischen den einzelnen friesischen Inseln. Das Betreten von Schutzzone 1 ist Menschen hingegen weitgehend untersagt (bis zu 1 km Küstennähe). Sie dient Tieren wie Seevögeln und Seehunden als Ruhezone.

Umfangreiche Informationen zu den Schutzzonen und Wissenswertes über das Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer finden Sie auch unter https://www.nationalpark-wattenmeer.de/.

Was ist bei einer Wattwanderung verboten?

Was dürfen Sie bei einer Wattwanderung im Nationalpark Wattenmeer nicht?
Was dürfen Sie bei einer Wattwanderung im Nationalpark Wattenmeer nicht?
  1. Jagen
  2. Reiten
  3. Zelten/Campen
  4. Stören von Tieren, insbesondere während der Brutzeit oder der Aufzucht (es gibt jedoch hin und wieder geführte Wanderungen, über die Sie zum Beispiel Seehunde und Zugvögel aus relativ kurzer Entfernung beobachten können)
  5. Hunde unangeleint laufen lassen
  6. Mitnahme archäologischer Funde
  7. Entsorgung von Abfällen oder anderweitige Verunreinigung der Natur
  8. Beschädigung von Pflanzen
  9. Töten von Tieren

FAQ zur Wattwanderung

Müssen Sie bei einer Wattwanderung Schuhe tragen?

Grundsätzlich können Sie auch barfuß ins Watt. Achten Sie dann jedoch besonders auf den Untergrund, um Verletzungen zu vermeiden. Wenn Sie Schuhe tragen wollen, wählen Sie enganliegende Turnschuhe oder Gummistiefel. Weite Schuhe bieten nicht genügend Halt.

Ist eine Wattwanderung gefährlich?

Die Schlicklandschaft hält in der Tat die eine oder andere Gefahr bereit (z. B. Priele, Schlicklöcher). Aber auch Unwissenheit kann zur Gefahr werden, wenn Personen etwa ihre Orientierung verlieren oder von der Flut überrascht werden. Wenden Sie sich daher stets an erfahrene Wattführer.

Wann sollten Sie nicht durchs Watt wandern?

Bei schlechten Sicht- oder Wetterbedingungen und insbesondere bei Sturm und Gewitter sollten Sie das Watt nicht betreten. Es besteht erhöhte Lebensgefahr. Tipps für die sichere Gestaltung einer Wattwanderung finden Sie hier.

Was dürfen Sie im Watt nicht?

Ein Großteil des Wattenmeers ist Naturschutzgebiet. Sie dürfen hier also z. B. grundsätzlich nicht jagen, die Tier- und Pfanzenwelt stören oder beschädigen oder illegal Müll entsorgen. Zuwiderhandlungen können Bußgelder bis 50.000 Euro zur Folge haben. Umfassende Infos zu Verboten finden Sie hier.

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