Anzeige wegen Fahrerflucht: Was passiert danach?

Fahrerflucht anzeigen: Einer bestimmten Form bedarf es nicht.

Fahrerflucht anzeigen: Einer bestimmten Form bedarf es nicht.

Wer schon mal in einen Unfall verwickelt war, der weiß, dass es eine Vielzahl an Dingen zu regeln und zu beachten gilt. Neben dem ersten Schreck muss zunächst die Unfallstelle gesichert werden. Ferner ist dafür Sorge zu tragen, dass eventuell verletzte Personen medizinisch erstversorgt werden. Gegebenenfalls ist die Polizei zu informieren und schlussendlich gilt es, die entstandenen Schäden zu regulieren.

Nicht selten begehen Personen bei Verkehrsunfällen Fahrerflucht und verlassen den Unfallort, ohne dem Unfallgegner die eigenen Daten zu hinterlassen. Die Gründe dafür sind vielschichtiger Natur. Manch einer sieht sich vielleicht außerstande, besagte Abläufe zu regulieren oder hat Angst vor den Konsequenzen. Die übrigen Unfallbeteiligten stellen sich sodann die Frage, ob eine Anzeige wegen Fahrerflucht erstattet werden sollte und was das überhaupt bringt. Im Folgenden haben wir uns mit diesem Thema befasst.

Gesetzliche Grundlagen zur Fahrerflucht

Bevor wir uns dem Thema „Fahrerflucht und Anzeige“ widmen, wollen wir Ihnen zunächst einen groben Überblick zur Gesetzeslage geben. Der Tatbestand des unerlaubten Entfernens vom Unfallort (in der Umgangssprache oftmals als Fahrerflucht oder Unfallflucht bezeichnet), ist zunächst in § 142 Strafgesetzbuch (kurz: StGB) verankert. Der Tatbestand ist Teil des 7. Abschnittes zum StGB, welcher Straftaten gegen die öffentliche Ordnung normiert. Einem Täter droht hierbei eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Das Delikt der Unfallflucht ist folglich ein Vergehen im Sinne des StGB. Bei einem solchen liegt, in Abgrenzung zum Verbrechen, der Mindeststrafrahmen unterhalb einer einjährigen Freiheitsstrafe.

Welche Konsequenzen hat eine Anzeige wegen Fahrerflucht für den Unfallverursacher?

Was tun bei Fahrerflucht des Unfallverursachers?

Was tun bei Fahrerflucht des Unfallverursachers?

Personen, Fahrerflucht begangen haben oder Opfer einer derartigen Tat sind, stellen sich zumeist die Frage: „Was passiert bei einer Anzeige wegen Fahrerflucht?“ Wenn Sie eine Fahrerflucht anzeigen, setzt sich automatisch ein sogenanntes Ermittlungsverfahren in Gang. Dieses stellt den ersten Abschnitt eines jeden Strafverfahrens dar. Innerhalb dieser Phase ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft, ob an den zur Anzeige gebrachten Vorwürfen etwas dran ist oder nicht. Dabei haben die Ermittlungsbehörden stets sowohl die belastenden als auch die entlastenden Umstände zu überprüfen.

Die Staatsanwaltschaft wird deshalb auch als die „objektivste Behörde der Welt“ bezeichnet.

Geht eine Anzeige wegen Unfallflucht bzw. Fahrerflucht bei der Polizei ein, so setzt sich diese automatisch mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung. Nach dem sogenannten Legalitätsprinzip muss sodann ermittelt werden. Dies liegt also nicht im Ermessen der Ermittlungsbehörden, ob diese einem Anfangsverdacht nachgehen wollen oder nicht.

Gelangt die Staatsanwaltschaft zu der Auffassung, dass die Anzeige wegen Fahrerflucht unbegründet war, wird das Verfahren eingestellt. Verdichtet sich der Anfangsverdacht indes zu einem hinreichenden Tatverdacht, erhebt sie öffentliche Anklage.

Nach dem sich dann anschließenden Zwischenverfahren entscheidet das zuständige Gericht über die Eröffnung der Hauptverhandlung bzw. über eine eventuelle Verfahrenseinstellung. Am Ende einer Hauptverhandlung – und somit einer gerichtlichen Verhandlung – ergeht sodann eine entsprechende Gerichtsentscheidung.

Ist bei der Anzeige einer Fahrerflucht das Kennzeichen des Flüchtigen bekannt, ist dieser schnell ausfindig zu machen. Doch auch eine Anzeige gegen Unbekannt kann bei Fahrerflucht sinnvoll sein. Eventuell ermitteln die Behörden den Fahrer anderweitig, sodass ein Strafverfahren mit einer entsprechenden gerichtlichen Verurteilung enden kann.

Strafen für Fahrerflucht

Die Strafen für Unfallflucht sind in § 142 StGB festgelegt. Dort heißt es:

Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

  1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
  2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wie kann ich eine Fahrerflucht als Geschädigter anzeigen?

Ist eine Anzeige wegen Fahrerflucht sinnvoll?

Ist eine Anzeige wegen Fahrerflucht sinnvoll?

Wenn Sie eine Anzeige wegen Fahrerflucht bei einem Parkschaden oder nach einem Unfall im laufenden Straßenverkehr erstatten wollen, bedarf es hierfür keiner besonderen Form. Sie können dies persönlich bei der Polizei tun, indem Sie dort vorsprechen und ihren Sachverhalt aufnehmen lassen oder aber in Form eines Online-Verfahrens. Zu diesem Zwecke haben die verschiedenen Polizeibehörden auf ihren Internetseiten Formulare bereitgestellt.

Muss immer das Opfer Anzeige nach der Unfallflucht erstatten?

Wenn der Geschädigte eine Fahrerflucht nicht polizeilich meldet, kann die Polizei grundsätzlich auch auf andere Weise Kenntnis über einen derartigen Sachverhalt erlangen, wodurch sich das Prozedere in gleicher Weise in Gang setzen würde. Bei einer entsprechenden Strafanzeige begünstigen Sie die Abläufe allerdings entscheidend.

Es ist also nicht vonnöten, dass Sie selbst der Geschädigte der Unfallflucht sind, um diese zur Anzeige zu bringen. Auch als Zeuge steht es Ihnen frei, einen beobachteten Sachverhalt bei der Polizei zur Anzeige zu bringen.Sollte indes gegen Sie eine Anzeige wegen Fahrerflucht laufen, kann Ihnen ein Anwalt mit Schwerpunkt Strafrecht oder Verkehrsrecht weiterhelfen.

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{ 4 Kommentare… add one }
  • Chrissy 27. Dezember 2017, 16:20

    Hallo,
    ich wurde kurz vor Weihnachten ein Opfer von Fahrerflucht. Allerdings hat ein Zeuge die Polizei informiert und diese hat auch das Kennzeichen des Unfallverursachers. Mir als Opfer wurde lediglich ein Kärtchen der Polizei im Briefkasten hinterlassen. Nun erhalte ich von der Polizei allerdings keine Informationen zum Unfallhergang oder sonstiges. Bezüglich meines Schadens, welcher so erheblich ist, dass ich dir Autotüre nur noch sehr schwer aufbekomme, wurde mir die Auskunft gegeben ich solle den Schaden richten lassen “es würde schon irgendwer den Schaden zahlen” sprich die Versicherung des Gegeners. Nun bin ich allerdings dessen ziemlich beunruhigt, da ich selbstredend den Schaden nicht selbst begleichen möchte. Was kann und soll ich nun tun? Über Hilfe wäre ich dankbar.

    • bussgeld-info.de 8. Januar 2018, 10:21

      Hallo Chrissy,
      wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen an einen Anwalt für Verkehrsrecht. Wir dürfen keine kostenlose Rechtsberatung geben.

      Ihr Bussgeld-Info Team

  • Anonym 8. Januar 2018, 18:19

    Ich habe letztens vorsätzlich mit suizidaler Absicht ein Auto gegen einen Baum gesetzt. Habe überlebt und das Fahrzeug allerdings verlassen. Bin dann zu Bekannten, von den ich mich dann zur Polizei habe bringen lassen. Sitze jetzt erstmal in einer geschlossenen Psychiatrie, habe danach wohl aber einen Gerichtsfall zu erwarten. Niemand ist verletzt worden, nur das Fahrzeug ist im Eimer. Mit welchen Strafen habe ich zu rechnen?

    • Bussgeld-info.de 9. Januar 2018, 15:21

      Hallo Anonym,

      in Ihrem Fall liegt, wenn dann, eine “Fahrerflucht am Baum” vor. Wie dies sanktioniert ist, ist vom Fall zu Fall verschieden. Im Zweifelsfall können Sie einen Anwalt für Verkehrsrecht konsultieren.

      Ihr Bussgeld-Info Team

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