Sackgasse: Welche Vorschriften gelten in der Stichstraße?

Das Verkehrsnetz in Deutschland setzt sich aus verschiedenen Arten von Straßen zusammen. Eine Sonderform stellt dabei die Sackgasse dar, denn diese ist ausschließlich von einem Ende für Kfz zugänglich. Welche Vorschriften dort für Verkehrsteilnehmer gemäß Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) gelten und wie ein Sackgassenschild aussieht, erklärt der nachfolgende Ratgeber.

VerstoßBußgeldPunkte
Sie haben in der Sackgasse geparkt, obwohl Verkehrszeichen dies untersagen. 10 EUR
… Es kam zu einer Behinderung. 15 EUR
… länger als drei Stunden 20 EUR
Sie parkten in einer Sackgasse entgegen der Fahrtrichtung. 15 EUR
Sie haben in einer Sackgasse gegen die Regel „Rechts-vor-Links“ verstoßen.
… Es kam zu einer Behinderung. 20 EUR
… Es kam zu einer Gefährdung. 100 EUR1
… Es kam zu einer Sachbeschädigung. 120 EUR1
Sie sind in der Sackgasse rückwärtsgefahren.
… Es kam zu einer Gefährdung. 80 EUR 1
… Es kam zu einem Unfall. 100 EUR1
Sie haben in der Sackgasse gewendet.
… Es kam zu einer Gefährdung. 80 EUR 1
… Es kam zu einem Unfall. 100 EUR1

Definition: Was ist laut StVO eine Sackgasse?

Verkehrsschild „Sackgasse“: Existiert keine Wendemöglichkeit, kann ein Zusatzzeichen darauf hinweisen.
Verkehrsschild „Sackgasse“: Existiert keine Wendemöglichkeit, kann ein Zusatzzeichen darauf hinweisen.

Bei einer Sackgasse oder auch Stichstraße handelt es sich grundsätzlich um eine Straße, die vor allem für den Verkehr der Anlieger gedacht ist. Eine Nutzung erfolgt darüber hinaus durch Dienstleister wie der Müllabfuhr, der Post und Co., die zu den Anwohnern gelangen wollen. Ein Durchgangsverkehr erfolgt hingegen nicht, weshalb die Sackgasse in der Regel als verkehrsberuhigt gilt.

Der Grund dafür liegt an der besonderen Bauweise, denn eine Sackgasse lässt sich nur von einem Ende mit einem Kfz befahren. Um wieder herauszufahren, müssen die Fahrzeugführer entweder rückwärtsfahren oder wenden. Um letzteres leichter zu ermöglichen, verfügen Sackgassen ggf. über einen sogenannten Wendehammer.

Bei einer Sperrung der Zufahrt besteht durch diesen Aufbau allerdings auch die Gefahr, dass die Anwohner einer Sackgasse vom Straßennetz abgeschnitten sind.

Damit sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer rechtzeitig auf diese besonderen Bedingungen einstellen können, wird die Sackgasse mit einem Schild angekündigt. Das Aussehen vom Verkehrszeichen (VZ) „Sackgasse“ definiert die StVO. Demnach handelt es sich bei Zeichen 357 um ein rechteckiges Schild mit blauem Grund. Auf diesem symbolisiert ein weißes „T“ mit einem roten Querstrich die Stichstraße.

Wann genau dieses aufzustellen ist, ergibt sich aus der Verwaltungsvorschrift zur StVO (VwV-StVO).  Darin heißt es zum Straßenschild „Sackgasse“:

Das Zeichen ist nur anzuordnen, wenn die Straße nicht ohne Weiteres als Sackgasse erkennbar ist.

Weitere Varianten vom Zeichen „Sackgasse“

Das als „Sackgasse“ bezeichnete Verkehrsschild tritt nicht immer alleine auf. Ein sogenanntes Zusatzzeichen kann zum Beispiel dazu dienen, auf Besonderheiten hinweisen. So zeigt ein entsprechendes Schild, dass eine Sackgasse keine Wendemöglichkeit bietet und die Verkehrsteilnehmer ggf. im Rückwärtsgang wieder aus der Straße hinausfahren müssen.

Vor allem für Lkw ist dieser Zusatz zum Verkehrszeichen „Sackgasse“ von großer Bedeutung. Denn das Rangieren und Rückwärtsfahren mit diesen Gefährten stellt eine besondere Herausforderung dar. Daher ist es – wenn möglich – sinnvoll, eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit zu meiden.

Darüber hinaus existieren seit der Reform der StVO im Jahre 2009 auch Stichstraßen mit Verbindungswegen für Passanten und Radfahrer. Experten bezeichnen dies als durchlässige Sackgasse. Ein entsprechendes Zeichen weist daraufhin, für welche Art von Verkehrsteilnehmer Wege vorhanden sind.

Wie die verschiedenen Verkehrszeichen zur Sackgasse aussehen, zeigen die nachfolgenden Abbildungen:

VZ Sackgasse

VZ Sackgasse
VZ Durchlässige Sackgasse für Fußgänger


VZ Durchlässige Sackgasse für Fußgänger
VZ Durchlässige Sackgasse für Fußgänger und Radfahrer


VZ Durchlässige Sackgasse für Fußgänger und Radfahrer

Verhaltensregeln in der Sackgasse

Eine durchlässige Sackgasse verfügt über weitere Zugangswege für Fußgänger und Radler.
Eine durchlässige Sackgasse verfügt über weitere Zugangswege für Fußgänger und Radler.

Besteht in einer Sackgasse keinerlei Wendemöglichkeit, bleibt den Fahrzeugführern in der Regel keine andere Option, als wieder rückwärts aus der Straße zu fahren. Dabei gilt es, besonders vorsichtig zu agieren und langsam zu fahren. Denn nur so lässt sich beim Rückwärtsfahren verhindern, dass Passanten übersehen oder parkende Fahrzeuge gestreift werden.

Sowohl beim rückwärts Ausfahren als auch beim Einfahren gilt es zudem, die geltenden Vorschriften zur Vorfahrt zu beachten. Regeln keine Verkehrsschilder den Vorrang der verschiedenen Verkehrsteilnehmer, greift auch in der Sackgasse die Grundregel „Rechts-vor-Links“.

Auch das Parken in der Sackgasse unterliegt bestimmten Vorschriften. Grundsätzlich sieht die StVO kein generelles Park- oder Halteverbot vor. Stattdessen gilt es, die vorherrschenden Bedingungen zu berücksichtigen. So ist das Parken prinzipiell nur in Fahrtrichtung erlaubt.

Verfügt die Sackgasse über einen Wendehammer, sollten Sie unbedingt auf die Beschilderung achten, bevor Sie Ihr Fahrzeug dort abstellen. Denn nicht selten ist in diesem ein Halteverbot vorgeschrieben. Dieses soll sicherstellen, dass die Sackgasse auch für Müll- oder Feuerwehrfahrzeuge befahrbar ist.

Wichtig! In der Sackgasse gelten auch weiterhin die generellen Vorschriften zum Parken und Halten. Demnach ist unter anderem das Parken vor Grundstückseinfahren untersagt, da dies zu einer Behinderung der Anwohner führen kann. Handelt es sich um eine schmale Straße, kann zudem auch das Parken gegenüber von einer Ausfahrt Sanktionen gemäß Bußgeldkatalog nach sich ziehen. Einen Auszug daraus liefert die Bußgeldtabelle am Beginn dieses Ratgebers.

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