Schuldanerkenntnis nach einem Verkehrsunfall: Großer Fehler

Die Schuldanerkenntnis nach dem Verkehrsunfall sollten Sie vermeiden. Eine solche Erklärung kann Ihnen schaden.

Die Schuldanerkenntnis nach dem Verkehrsunfall sollten Sie vermeiden. Eine solche Erklärung kann Ihnen schaden.

Nach einem Unfall wird die Schuldfrage manchmal noch vor Ort geklärt. Einer der Beteiligten sieht ein, dass er oder sie unaufmerksam war und so den Zusammenstoß verursacht hat. Doch selbst wenn dem so ist, sollten Sie sich hüten, ein Schuldeingeständnis für den Autounfall abzugeben!

Denn auch wenn es verständlich ist, dass Sie schnell zur Normalität übergehen wollen, sollten Sie bedenken, dass dieser Schritt ausschließlich Nachteile für Sie bereithält.

In diesem Ratgeber erklären wir, welche Nachteile konkret daraus folgen und was anstelle der Schuldfrage nach einem Autounfall geklärt werden sollte.

Weiterführende Ratgeber zum Thema Schuldfrage:

Unterschreiben Sie kein Schuldeingeständnis nach einem Unfall!

“Es tut mir leid, das ist meine Schuld!”

Ein solcher Satz kann schon mal rausrutschen, doch sollten Sie sich vorher vielleicht doch lieber auf die Lippe beißen und stattdessen höflich nach dem Befinden des Anderen fragen. Denn obwohl Gerichte in der Vergangenheit immer wieder entschieden haben, dass Aussagen wie diese keine Rechtskraft besitzt (Beispiel OLG Düsseldorf Az. I – 1 U 246/07), können doch unangenehme Folgen für Sie daraus erwachsen.

Nachteile, die Sie durch ein Schuldanerkenntnis nach dem Unfall erwarten

Nach einem Unfall wird die Schuldfrage vor Gericht geklärt. Die Anerkenntnis der Schuld am Unfallort  gegenüber dem Unfallgegner ist deshalb zu unterlassen.

Nach einem Unfall wird die Schuldfrage vor Gericht geklärt. Die Anerkenntnis der Schuld am Unfallort gegenüber dem Unfallgegner ist deshalb zu unterlassen.

Mündliche Äußerungen, die ohne vorherige Diskussion und im Affekt gemacht wurden, haben, das wurde mehrfach bestätigt, keinen Bestand vor Gericht, können jedoch als Indiz festgehalten werden, um die Schuldfrage zu klären.

Auch kann es zur Beweislastumkehr kommen. Wenn Ihr Unfallgegner etwa aufgrund Ihrer Aussage darauf verzichtet, die Polizei zum Unfallort zu rufen und sich darauf verlässt, dass Sie die Schuldanerkenntnis für den Unfall vor Gericht wiederholen. In dem Fall haben Sie eine ordentliche Beweisaufnahme durch die Beamten verhindert und für den Anderen kommt es zu einem unfairen Schaden, sollten Sie das Schuldeingeständnis später widerrufen.

Die Beweislast liegt dann bei Ihnen. In jedem Fall ist der Unfallgegner also im Vorteil.

Je konkreter die übernommene Schuld formuliert ist, desto schwieriger wird es, nach einem Verkehrsunfall das Schuldanerkenntnis zurückzunehmen. Dies gilt natürlich vor allem dann, wenn ein schriftliches Eingeständnis vorliegt.

Sie sollten also darauf achten, dass Ihr Unfallgegner den Unfallhergang so genau wie möglich beschreibt, wenn er ein Schuldanerkenntnis abgeben möchte.

Da die Versicherung den Schaden des Schuldigen übernimmt, kann es auch mit dieser zum Konflikt kommen. Denn ein vorauseilendes Schuldeingeständnis ist natürlich nicht im Interesse Ihrer Versicherung. Sie kann sich außerdem weigern, einen Schaden zu regulieren, der womöglich nicht im direkten Zusammenhang mit dem Unfall steht, den Sie jedoch durch unglückliche Formulierungen im Schuldanerkenntnis einbeziehen.

Schuldanerkenntnis: Die Form ist entscheidend

Zwar braucht es nach einem Unfall für das Schuldanerkenntnis kein Muster, doch kann es durchaus Bindung besitzen, wenn die Umstände erkennen lassen, dass das Bekenntnis nicht im Affekt ausgesprochen wurde.

Ein Schuldanerkenntnis nach dem Unfall erlangt größere Bedeutung vor Gericht, wenn es

  • schriftlich verfasst wurde,
  • einer vorausgegangenen Diskussion folgt und
  • ein längerer Zeitraum zwischen Vorfall und Erklärung liegen.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat verschiedentlich bekräftigt, dass andernfalls keine Rechtskraft besteht:

  • Ein Schuldanerkenntnis ist nicht bindend, wenn dem keine Diskussion vorausgegangen ist (BGH, Az. IV ZR 222/74).
  • Die Aussagen “Ich bin Verursacher” und “Ich bin allein schuld” sind ohne ergänzende Angaben nicht bindend (BGH, Az. Respektive VI ZR 304/79 und VI ZR 64/82).

Kausales oder Abstraktes Schuldeingeständnis?

Der Begriff “Schuldeingeständnis” ist juristisch gesehen nicht auf den Verkehrsunfall beschränkt. Genaugenommen entstammt er dem Handelsrecht und kann in zwei unterschiedliche Kategorien unterteilt werden:

  • Abstraktes (Konstitutives) Schuldanerkenntnis
  • Kausales (Deklaratorisches) Schuldanerkenntnis

Ein Schuldanerkenntnis kann auch Ärger mit der Versicherung bedeuten. Ein Anwalt für Verkehrsrecht berät Sie gern.

Ein Schuldanerkenntnis kann auch Ärger mit der Versicherung bedeuten. Ein Anwalt für Verkehrsrecht berät Sie gern.

Beides sind bindende Verträge. Ersteres liegt in Form eines schriftlichen Vertrages vor und ignoriert alle vorausgegangenen Vorfälle und Einigungen. Letzteres kommt als Schlichtung einer hartnäckigen Streitfrage zum Einsatz.

Das Schuldanerkenntnis nach einem Unfall kann selten einer dieser Kategorien zugeordnet werden, da die Umstände dies nicht erlauben.

Kein Anspruch auf ein Schuldbekenntnis nach dem Unfall

Bestehen Streitigkeiten nach einem Unfall, sollte die Polizei gerufen werden. Sie sind keineswegs verpflichtet, ein Schuldanerkenntnis abzugeben oder gar zu unterschreiben. Drängt Sie der Unfallgegner dazu, ist dies ein Grund mehr, schleunigst Staatsbeamte zum Unfallort zu zitieren.

Nach dem Autounfall ist nicht die Schuldfrage zu klären

Wer Schuld hat, wird sich früh genug zeigen. Ihre gemeinsame Aufgabe ist es, mit dem Unfallgegner einen möglichst genauen Unfallbericht anzufertigen. Bei Unklarheiten rufen Sie die Polizei.

Des weiteren tauschen Sie persönliche Daten und die Kontaktinformationen Ihrer Versicherung aus. Es bleibt nur noch, dem Gegenüber einen guten Tag zu wünschen und in Frieden auseinander zu gehen.

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{ 11 Kommentare… add one }
  • Yasin 3. April 2017, 17:18

    Hallo,

    Es hat sich heute ein Unfall ergeben, bin hinter einem LKW gergefahren , der eine offene Plane hatte , dann ist aus diesem LKW ein Stein raus gefallen und auf meine
    Frontscheibe .

    Meine Frage wäre ob ich den Schaden selber bezahlen muss oder die Firma und dürfe ich diese eventuell anzeigen ?

    • bussgeld-info.de 6. April 2017, 9:26

      Hallo Yasin,

      diesen Schaden müsste Ihnen der Fahrer des Lkw bzw. die Firma erstatten.

      Ihr Bussgeld-Info Team

  • Kevin 27. April 2017, 22:35

    Hallo,
    Ich hatte heute einen unfall und die polizei wurde dazu gerufen.
    Ich habe ca. 15 min nach dem unfall die schuld in einem kurzen satz zugegeben erst mündlich und schriftlich auch. Nun meine frage kann ich mein schuldbekenntnis zurück ziehen bzw wiederrufen denn ich habe nicht mit gedacht und war total neben mir und in hektik.

    Mit freundlichen Grüßen
    Kevin

    • bussgeld-info 2. Mai 2017, 10:52

      Hallo Kevin,

      ein Schuldanerkenntnis kann in aller Regel nicht widerrufen werden.

      Ihr Bussgeld-Info Team

  • Ronja 23. Juni 2017, 15:15

    Hallo,
    ich war als S-Pedelec Fahrerin in einen Unfall verwickelt. Ein Fahrzeug zog von ganz links auf eine ganz rechts entstehende Rechtsabbiegerspur und kreuzte dadurch meinen Weg, da ich gerade aus weiter fahren wollte (mit ca. 40 km/h). An dieser Stelle konnte ich den Zusammenstoß verhindern und hupte. Dann blieb er aber unvermittelt im Rechtsabbiegebereich stehen und sein Kofferraum ragte noch in meine Spur. Da ich in dem Augenblick nicht wußte ob links neben mir ein Fahrzeug ist versuchte ich rechts auszuweichen und machte ein Vollbremsung und rutschte dabei auf das stehenden Fahrzeug auf.
    Die hinzugezogenen Polizei nahm alle Aussagen auf.
    Ich unterschrieb jetzt seinen (Polizei) erstellten Bericht, worin auch vorkam, dass ich zugebe, dass “ich durch nicht vorausschauendes Fahren auf das Fahrzeug vor mir aufgerutscht sei, da ich nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte”.
    Fragen:
    – Fahrzeug hatte nicht geblinkt, kann so etwas noch bei der Polizei nachgeliefert werden?
    – Mir wurde mitgeteilt, dass ich ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zu erwarten habe, kann ich dieses trotz der Unterschrift noch anfechten?
    – Ich wurde verletzt (Fahrrad unversehrt, leichte Beschädigung am Auto), dies geschah auf dem Weg zur Arbeit, kann ich nun Schmerzensgeld von dem Unfallgegner verlangen?

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

    Ronja

    • bussgeld-info.de 26. Juni 2017, 12:29

      Hallo Ronja,

      gegen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren können Sie Einspruch einlegen, sobald der Bußgeldbescheid bei Ihnen eintrifft. Sie können durchaus anführen, dass das andere Fahrzeug nicht geblinkt hat. Es ist möglich, ein Schmerzensgeld einzuklagen. Dabei empfiehlt es sich allerdings, einen Anwalt zu konsultieren.

      Ihr Bussgeld-info Team

  • Sven 6. Juli 2017, 17:49

    Hallo,

    Hatte einen “Unfall”, beim ausparken kam ein anderes Auto und ging in die Hufen, der Typ hat die Polizei gerufen und ich würde als Schuldiger eingetragen, bei beiden wurde Schaden eingetragen, habe im Nachhinein gemerkt, dass mein Schaden schon von vorher da war und auch So es unmöglich wäre das andere Auto da zu Beschädigen wo es den Kratzer hat ohne etwas zu verbeulen, muss ich Bzw. Die Versicherung den Schaden bezahlen?

    • bussgeld-info.de 11. Juli 2017, 10:11

      Hallo Sven,

      wir können nicht für Sie beurteilen, ob und inwieweit Sie ein Verschulden trifft und Sie oder Ihre Versicherung dementsprechend zu Zahlungen verpflichtet sind.

      Ihr Bussgeld-Info Team

  • Melanie 16. Juli 2017, 21:49

    Hallo, ich hatte einen Unfall. Beim vorwärts einpacken in eine linksliegende Parklücke hat das Auto hinter mir nicht den Sicherheitsabstand eingehalten, konnte nicht mehr abbremsen und wollte links “ausweichen” (überholen?) Und ist mir in meine Fahrertür gefahren.
    Nach 4 Monaten nun gibt seine Versicherung an, dass ich zu 2/3 Schuld hätte da ich nicht geblinkt hätte und nicht zurückgeschaut hätte (beides tat ich aber und mein Ehemann bezeugte das). Ausserdem wurde mein Kostenvoranschlag (gemacht bei einer Partnerwerkstatt der Gegnerversicherung) gekürzt, mit dem Satz “es gibt günstigere Werkstätten…”.
    Was kann ich tun?
    Danke im Voraus. Mit freundlichen Grüßen

    • bussgeld-info.de 17. Juli 2017, 8:15

      Hallo Melanie,

      Sie sollten sich in dem Fall von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Im Zweifel kann der Fall vor Gericht geklärt werden. Ihre Erfolgschancen kann ein Anwalt einschätzen.

      Ihr Bussgeld-Info Team

  • Theo 31. Juli 2017, 14:06

    Hallo,

    am Freitag ist mir jemand in mein geparktes Auto reingefahren.
    Schuld wurde mündlich annerkant. Anfangs wollten wir den Schaden ohne zunahme der Versicherung lösen da anscheinend nur dass Kennzeichen gecknickt war.
    Anschließend war auch ein Schaden an der Stoßstange den der Unfallgegner jetzt nicht zugibt.
    Zeugen gibt es keine.

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