eCall – Schnelle Hilfe in der Not

Emergency Call – Das eCall-System funktioniert ohne menschliches Zutun

Bei einem schweren Unfall ist schnelle Hilfe wichtig. Das eCall-System soll dies leisten.

Bei einem schweren Unfall ist schnelle Hilfe wichtig. Das eCall-System soll dies leisten.

Im Jahr 2015 starben 3.475 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland. Damit stieg im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der tödlich Verunglückten um 2,9 Prozent. Schon 2014 war ein Anstieg der traurigen Zahl zu vermelden. Es wird vermutet, dass sich die Verkehrsteilnehmer aufgrund der mordernen Technik zu sehr darauf verlassen, dass die Sicherheit automatisch mit dem Fortschritt wächst.

Doch trotz technischen Innovationen und strengen Regeln sind Verkehrsunfälle also nach wie vor tägliche Realität. Denn solange Menschen hinter dem Lenkrad eines Kraftfahrzeuges sitzen, wird sich daran wohl nichts mehr ändern, denn mit dem Versagen in einem unübersichtlichen oder stressigen Moment ist immer zu rechnen.


Wenn es aber zu einem Unfall gekommen ist, kann schnelle Hilfe dazu führen, dass Leben gerettet werden. Doch auch hier führt die Fehlbarkeit des Menschen oft zur Verschlimmerung der Situation. Denn das Adrenalin und der Schock in den Gliedern lässt Beteiligte eines schlimmen Unfalls selten klar denken. Auch Zeugen können oft die fünf Ws des Notfallanrufs nicht korrekt und schnell beantworten.

Die fünf Ws nach einem Unfall

Um so rasch wie möglich einen Einsatzwagen auf den Weg schicken zu können, benötigt die Notrufzentrale, die Sie über die Nummer 112 erreichen, folgende Informationen:

  1. Wo ist der Unfall passiert?
  2. Was ist geschehen?
  3. Wie viele verletzte Personen gibt es?
  4. Welche Art der Verletzungen weisen die Opfer auf?

Zuletzt ist es essentiell, dass Sie

  1. auf Rückfragen warten und nicht einfach auflegen.

Hier kommt eCall ins Spiel. Dabei handelt es sich um ein elektronisches Notrufsystem, das automatisch wichtige Informationen an die Notrufdienste weiterleitet, wenn es zu einem Zusammenstoß kommt. Dieser Ratgeber befasst sich im Folgenden mit der Technik hinter dem eCall-System, der Gesetzgebung und welche Probleme und kritischen Stimmen es in Bezug auf den Datenschutz gibt.

Wie funktioniert der eCall-Notruf?

Ein automatischer Notruf kann nur abgegeben werden, wenn die technischen Voraussetzungen in den Autos gegeben sind. Elektroden und Sensoren messen verschiedene Parameter im Auto und reagieren bei eindeutigen Anzeichen für einen Unfall automatisch.

Folgende Elemente gehören zum eCall-System:

  • Steuergerät
  • Crashsensor
  • Antenne
  • Mikrophon und Lautsprecher
  • GPS
  • Notstromversorgung
  • Datenbank mit verschiedenen Informationen zum Fahrzeug
  • Taste zur manuellen Notrufabgabe

Die Crashsensoren registrieren die Geschwindigkeit des Autos und schlagen Alarm, wenn es ruckartig zum Stehen kommt. Auch können sie die Druckverhältnisse im Fahrzeug messen und den Zustand der Karosserie beurteilen. Ein moderner Crashsensor ermittelt sogar, wie viele Personen sich im Kfz befinden.

Mikrophon und Lautsprecher springen im Ernstfall an, damit die Notrufzentrale mit den Insassen Kontakt aufnehmen kann. Für den Fall, dass alle Personen im Wagen bewusstlos sind und niemand antwortet, wird ohne Umschweife ein Rettungsfahrzeug losgeschickt.

Durch das fest installierte GPS (“Global Positioning System”) kann per Satellitenübertragung der exakte Standpunkt des Autos – und somit des Unfallortes – festgestellt werden. Das ist in der Praxis vielleicht die wichtigste Funktion von eCall, da gerade die Orientierung von Unfallopfern oder Zeugen im Notfall leidet und selten konkrete Angaben gemacht werden können.

So hilft eCall per GPS den Einsatzkräften dabei, so schnell wie möglich und ohne Umwege zu den Verletzten vorzudringen.

Selbst nach einem verheerenden Unfall, der die Zerstörung der Autobatterie zur Folge hat, kann das Auto-Notrufsystem von eCall alle wichtigen Funktionen ausführen. Dafür sorgt der Notstromanschluss.

Durch den eCall-Notruf werden wichtige Daten an die Notrufzentrale übermittelt. So wissen die Retter vor Ort, wie das Auto aufgebaut ist.

Durch den eCall-Notruf werden wichtige Daten an die Notrufzentrale übermittelt. So wissen die Retter vor Ort, wie das Auto aufgebaut ist.

Oft sind Personen in einem verunfallten Auto eingeklemmt und müssen herausgeschnitten werden. Dies kann nur schnell gelingen, wenn die Einsatzkräfte das Modell genau kennen und zum Beispiel wissen, an welcher Stelle die Karosserie verstärkt ist oder wo die elektrischen Leitungen verlaufen.

Diese Informationen liefert die Rettungskarte. Diese wird durch eCall nach einem Unfall sogleich elektronisch vermittelt. Außerdem enthält die Datenbank des Systems die VIN-Nummer des Fahrzeugs. Die Hersteller müssen jedes Ihrer Kfz mit solch einer “Vehicle Identification Number” ausstatten. So ist jedes Auto unverwechselbar gekennzeichnet und Rettungskräfte können anhand der Fahrzeuggeschichte wichtige Informationen erhalten.

Die Taste zur manuellen Notrufabgabe kann hilfreich sein, wenn Sie als Zeuge einen Unfall melden wollen. Per Knopfdruck nehmen Sie Kontakt zur Notrufzentrale auf, der Sie alle relevanten Informationen weiterleiten können. Ihr Standort indes wird automatisch übermittelt.

eCall-Pflicht in Europa: Segen oder Fluch?

2015 wurde eine Verordnung beschlossen, die eCall in EU-Staaten ab dem 31. März 2018 zur Pflicht macht. Das heißt, dass alle Neumodelle (nicht Neuwagen) von diesem Zeitpunkt an mit der Notruftechnik ausgestattet sein müssen, um eine Vertriebsgenehmigung in den 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu erhalten.

Die Regelung betrifft nur solche Modelle, die ab April 2018 auf den Markt kommen sollen. Neuwagen, deren Bauart auf ältere Modelle ohne den Auto-Notruf rekurrieren, müssen die Hersteller nicht mit dem eCall-System nachrüsten. Auch Gebrauchtwagenhändler sind nicht zur Nachrüstung verpflichtet.

Damit das Notrufsystem von eCall in Europa länderübergreifend funktionieren kann, sind die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, bis Oktober 2017 die entsprechende Infrastruktur zu schaffen.

Die Gesetzesregelung gilt vorerst nur für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge. Bis 2021, also drei Jahre nach der Einführung von 2018, soll die EU-Kommission anhand der gesammelten Erfahrung entscheiden, ob es sinnvoll ist, die Pflicht auf Lkw und Busse auszuweiten.

Größter Kritikpunkt zum Notrufsystem von eCall: Datenschutz versus Sicherheit

Aufgrund der verbauten Technik kann eCall zu Datenschutz-Problemen führen.

Aufgrund der verbauten Technik kann eCall zu Datenschutz-Problemen führen.

Die fortschreitende Technisierung der Autos hat eine größere Abhängigkeit von der Funktionalität der winzigen Platinen und Elektroschaltkreise zur Folge. Nur Fachmänner können noch eine Reparatur vornehmen. In der Hobby-Garage ist die Instandhaltung der Hightech-Fahrzeuge kaum noch möglich.

Elektronik ist jedoch nicht nur hochkompliziert sondern auch anfällig für Missbrauch. So können beispielsweise die Mikrophone des eCall-Systems im Auto dazu genutzt werden, die Insassen abzuhören.

Durch GPS-Aufzeichnungen ist es außerdem relativ einfach möglich, ein exaktes Bewegungsprofil des Autos und damit seines Besitzers zu erstellen. Diesen Möglichkeiten soll die Verordnung COM(2013) 316 der Europakommission, die im Dezember 2014 beschlossen wurde, einen Riegel vorschieben.

In Artikel 6, Absatz 2 heißt es:

Das eCall-Gerät darf nur einen “Mindestdatensatz mit “Mindestinformationen” – z.B. die Fahrzeugposition – übermitteln, der für die zweckmäßige Bearbeitung von Notrufen notwendig sind. Der Mindestdatensatz muss so gespeichert werden, dass er vollständig gelöscht werden kann. Das eCall-Gerät darf keine weiteren Daten übermitteln.

Absatz 2a desselben Artikel legt fest:

Der Mindestdatensatz muss gelöscht werden, sobald er für den Zweck, für den er erhoben wurde, nicht mehr erforderlich ist.

Das Gesetz ändert jedoch nichts an den Möglichkeiten der ab 2018 in allen Neumodellen installierten Technik.

Sendet eCall unter Umständen auch einen Notruf, obwohl das Auto keinen Unfall hatte?

Trotz einiger Einwände gegen die Verlässlichkeit der Technik, konnte durch den Einsatzt des eCall-Systems keine signifikante Steigerung von Falschalarmen festgestellt werden.

Ein solcher Fall ging vor einigen Jahren durch die Presse. Er bewies jedoch mal wieder die Fehlbarkeit des Menschen, denn nicht die Technik versagte, als 2007 Rettungskräfte zu einem Unfallort eilten, zu dem sie das eCall-System eines Luxuswagens gerufen hatte. Der Deutzner TÜV hatte die Limousine auf Herz und Nieren geprüft und vor dem finalen Crashtest vergessen, den automatisierten Notruf auszuschalten.

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