Gefährdung im Straßenverkehr

Eine Gefährdung ist laut Definition die Schadensquelle, bei der jemand einer Gefahr ausgesetzt wird

Eine Gefährdung ist laut Definition die Schadensquelle, durch die jemand einer Gefahr ausgesetzt wird

Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) beschreibt wohl die allererste und wichtigste Grundregel, die im Straßenverkehr von allen Teilnehmern zu befolgen ist: Demnach hat die Teilnahme am Straßenverkehr in Deutschland unter ständiger Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme zu erfolgen, sodass niemand gefährdet oder geschädigt wird. Weiterhin soll kein Verkehrsteilnehmer durch einen anderen behindert oder belästigt werden.

Verkehrsordnungswidrigkeiten – Vergehen im Straßenverkehr – sorgen allerdings dafür, dass gegen genau diesen Grundsatz verstoßen wird. Jede Art von Verkehrsverstößen kann je nach Schwere härter bestraft werden. Besonders hohe Sanktionen sind zu erwarten, wenn eine Gefährdung im Straßenverkehr vorlag. Was genau das bedeutet, erklärt der nachfolgende Ratgeber.

Gefährdung: Eine Definition

Der Begriff „Gefährdung“ ist schlicht und einfach die Bezeichnung dafür, dass jemand einer Gefahr oder Bedrohung ausgesetzt ist. Weil jedoch laut dem Grundgesetz die Würde des Menschen unantastbar ist und niemand einer Gefährdung ausgesetzt werden sollte, sind Gefährdungen explizit im Strafrecht reglementiert und werden im Strafgesetzbuch aufgegriffen: § 315c StGB „Gefährdung des Straßenverkehrs“. Es gibt demzufolge für die Gefährdung des Straßenverkehrs eine hohe Strafe:

Wer im Straßenverkehr […] Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Auch der reine Versuch ist strafbar und bei fahrlässigem Handeln droht eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.

Wichtig an dieser Stelle ist aber noch zu erwähnen, dass eine Gefährdung nicht zwangsläufig auch zu einem Schaden bei der betroffenen Person führen muss, also zu einer Verletzung oder Schlimmerem. Theoretisch beschreibt „Gefährdung“ nur die potentielle Quelle des Schadens.

Wodurch kann eine Gefährdung im Straßenverkehr entstehen?

Es gibt verschiedene Situationen im Straßenverkehr, die immer zu einer Gefährdung führen. Dazu zählt zum Beispiel die Gefährdung beim gefährlichen Überholen. Ein „Klassiker“ beim Gefährden anderer ist etwa auch die Fahrt unter Alkohol- und Drogeneinfluss, denn dann ist der Fahrer nicht mehr in der Lage, sein Fahrzeug sicher zu führen. Gleiches gilt, wenn der Autofahrer geistige oder körperliche Mängel aufweist und sich trotzdem an das Steuer setzt.

Weitere Gefährdungen sind beispielsweise:

  • Ein Pkw nimmt einem anderen Pkw die Vorfahrt
  • Nichtbeachten des Fußgängerüberweges
  • Zu schnelles Fahren an unübersichtlichen Stellen, Kreuzungen oder Bahnübergängen
  • Wenden oder Rückwärtsfahren auf der Autobahn
  • Nicht auf der rechten Fahrbahnseite fahren
  • Geisterfahrer: Fahren entgegengesetzt der Fahrbahnrichtung
  • Nichtkenntlichmachen von liegengebliebenen Fahrzeugen (z.B. Autopanne, Unfall), da dies der Sicherung des Verkehrs dienlich ist
Eine Gefährdung im Straßenverkehr kann zum Beispiel ein gefährlicher Überholvorgang sein

Eine Gefährdung im Straßenverkehr kann zum Beispiel ein gefährlicher Überholvorgang sein

Der Bußgeldkatalog sieht für jedes Vergehen auf der Straße einen bestimmten Regelsatz vor, um diesen zu sanktionieren. Lag aber laut Informationen eine Gefährdung bei dem Verstoß vor, dann wird dies härter bestraft, weil er den Sachverhalt verschlimmert.

Behinderung vs. Gefährdung

Gefährdung und Behinderung sind voneinander zu unterscheiden. Bei einer Behinderung wurde der Betroffene lediglich in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Rechtlich ist die Behinderung noch einmal geteilt:

  • Vermeidbare Behinderung: z. B. Parken auf dem Gehweg
  • Unvermeidbare Behinderung: z. B. beim Linksabbiegen in einer schmalen Straße den Rechtsabbiegern nicht genug Platz gelassen

Bei einer Gefährdung ist wiederum stets davon auszugehen, dass es mit ziemlicher Sicherheit zu einem Schaden an einer Person oder dessen Eigentum kommt.

{ 4 Kommentare… add one }
  • Jean-Louis R. 9. Februar 2017, 12:23

    Guten Tag,
    Ich habe am 21.1.2017 im Staufertunnel (gem. Annweiler, B10) eine Verwarnung bekommen. Ich habe die Überweisung schon veranlasst und lege somit keinen Einspruch ein. Es würde mich aber -rein persönlich- interessieren warum auf dieser Strecke die Geschwindigkeit auf 60 km/St reduziert ist. Meines Erachtens wären 80 km/St verhältnismässig und würden auch keine Gefahr für den Strassen-verkehr darstellen. Falls die Information nicht vertraulich ist, können Sie mir auch sagen wieviele Leute an diesem Tag erwischt wurden?
    Mit freundlichen Grüssen
    Jean-Louis R.

    • bussgeld-info.de 13. Februar 2017, 9:33

      Hallo Jean-Louis,

      leider kennen wir die örtlichen Gegebenheiten nicht und können Ihnen daher keine Auskunft erteilen.

      Ihr Bussgeld-info Team

  • Martin 22. Februar 2017, 14:51

    Guten Tag,
    Ich habe eine frage zur Verschmutzung von Straßen.
    Bei uns im Wohngebiet passiert es im Sommer sehr oft das in einer scharfen kurve viele Pferdeäpfel liegen.
    Unterhalb des Wohngebietes sind 2 Reitställe
    Natürlich versucht man sie so gut es geht zu umfahren, was aber bei Gegenverkehr nicht immer möglich ist.

    Wenn man mit dem Auto durch fährt ist es nur ärgerlich gerade wenn man es frisch gewaschen hat.
    Anders sieht es auf dem Motorrad aus. Selbst bei Schrittgeschwindigkeit würde man mit dem Vorderrad auf dem Haufen ausrutschen und das Motorrad ist kaputt.

    Wer ist in diesem Fall für den Schaden verantwortlich?
    Der pferdebesitzer? Oder ich weil ich NOCH vorsichtiger hätte fahren müssen?
    Müssen Reiter ihr äpfel von der Straße räumen?

    LG

    • bussgeld-info.de 23. Februar 2017, 9:56

      Hallo Martin,

      diese Frage ist sehr speziell. Hier könnte unter Umständen die Beratung durch einen Anwalt für Verkehrsrecht hilfreich sein.

      Ihr Bussgeld-Info Team

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