Epilepsie: Ist das Autofahren erlaubt?

Darf man mit Epilepsie das Autofahren angehen? Das hängt immer vom Verlauf und vom Einzelfall ab.

Darf man mit Epilepsie das Autofahren angehen? Das hängt immer vom Verlauf und vom Einzelfall ab.

Darf man mit Epilepsie eigentlich das Autofahren weiter auf dem Schirm haben? Diese Frage ist für einige Verkehrsteilnehmer von großer Bedeutung, denn Epilepsie ist eine Krankheit, die es nicht zu unterschätzen gilt. Häufig müssen Medikamente dafür sorgen, dass Erkrankte keine oder nur abgemilderte Anfälle erleiden. Daher müssen nicht nur die Auswirkungen der Krankheit beachtet werden, sondern auch die der Medikamente.

Betroffene sind sich oft nicht sicher, unter welchen Umständen sie mit Epilepsie das Autofahren weiter angehen dürfen. Generell wissen viele Autofahrer nicht, ob Autofahren bei Epilepsie überhaupt problematisch ist oder wie sie trotz dieser Behinderung mobil unterwegs sein können.

Welche gesetzlichen Regelungen es hier zu beachten gilt, was Epileptiker beim Autofahren immer im Blick haben sollten und ob Sanktionen zu befürchten sind, beantwortet der nachfolgende Ratgeber zum Thema „Autofahren bei Epilepsie “.

Epilepsie: Ist das Autofahren per Gesetz gestattet?

Die Voraussetzungen für das Autofahren mit Epilepsie ist in der FeV geregelt

Die Voraussetzungen für das Autofahren mit Epilepsie ist in der FeV geregelt

Was ist Epilepsie eigentlich? Hierbei handelt es sich um eine neurologische sowie chronische Erkrankung, bei der Anfälle, Krämpfe und auch Bewusstseinsstörungen auftreten. Betroffene verlieren bei einer Episode oftmals die Kontrolle über ihren Körper und dessen Reaktionen, was Epilepsie in bestimmten Situationen sehr gefährlich macht. Ob mit Epilepsie das Autofahren möglich ist, hängt vom Auftreten der Anfällen sowie deren Schwere ab.

Ein Anfall kann nur einmal im Leben auftreten oder regelmäßig stattfinden. Die Schwere der Episode kann unterschiedlich sein und auch verschiedene Auslöser haben. In der Regel tritt ein solcher Anfall unvermittelt auf, was eine Vorhersage sehr schwer macht

Ein Auto zu führen, setzt voraus, dass der Fahrer körperlich und geistig dazu in der Lage ist. Das Autofahren mit Epilepsie kann daher ein gefährliches Unterfangen sein, wenn Fahrer ihre Gesundheit falsch einschätzen oder die Krankheit nicht behandeln lassen.

Die Voraussetzungen für die Eignung, ein Fahrzeug zu führen, ist in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), insbesondere in der Anlage 4, geregelt:

häufiger vorkommende Erkrankungen und Mängel, die die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen längere Zeit beeinträchtigen oder aufheben können, […]

Hier wird auch bestimmt, unter welchen medizinischen Gründen es zu einem Fahrverbot kommen kann. Demnach kann Epilepsie einer dieser Gründe sein.

Dürfen Epileptiker nun das Autofahren weiter angehen oder nicht?

Entsteht ein epileptischer Anfall beim Autofahren, können Fahrer das Fahrzeug oftmals nicht mehr kontrolliert steuern beziehungsweise zum Stehen bringen. Dies stellt nicht nur eine Gefahr für sie, sondern auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer dar.

Das Autofahren nach einem epileptischen Anfall muss durch einen Arzt genehmigt werden.

Das Autofahren nach einem epileptischen Anfall muss durch einen Arzt genehmigt werden.

Daher gibt es für diese Patienten bestimmte Richtlinien, die für eine Beurteilung der Fahrtauglichkeit herangezogen werden. In der Regel muss ein Arzt die Situation sowie die Zulässigkeit mit Epilepsie das Autofahren durchführen zu dürfen, beurteilen.

Wichtig hierfür sind die Begutachtungsleitlinien des Bundesamtes für Straßenwesen (BAST). Diese sogenannten BAST-Leitlinien legen fest, wann ein Autofahrer mit Epilepsie tauglich ist, ein Fahrzeug zu führen und wann nicht. Zudem wird auch bestimmte, wann die Tauglichkeit gänzlich abgesprochen wird.

Wird die Diagnose einer Epilepsie gestellt (d.h. nach wiederholten Anfällen oder Hinweisen auf ein erhöhtes Rezidivrisiko nach einem ersten Anfall), bleibt die Kraftfahreignung dauerhaft ausgeschlossen. Als Ausnahme gilt eine 5-jährige Anfallsfreiheit ohne antiepileptische Behandlung. Um dies zu beurteilen bedarf es einer fachneurologischen Untersuchung.

Bei Epilepsie ist Autofahren also nur dann möglich, wenn durch einen Arzt bescheinigt wird, dass ein Anfallsrisiko nicht vorliegt oder dieses bei korrekter Medikamenteneinnahme nahezu nicht besteht.

Wurde bei Ihnen Epilepsie festgestellt, trifft der behandelnde Arzt in der Regel die Entscheidung, ob eine Begutachtung auf Basis der BAST-Leitlinien durchgeführt wird. Dies kann durchaus auch dazu führen, dass ein temporäres oder permanentes ärztliches Fahrverbot ausgesprochen wird.

Betroffene, die den Führerschein neu erwerben möchten, müssen die Frage nach Epilepsie beziehungsweise chronischen Erkrankungen wahrheitsgemäß beantworten. In der Regel wird dann auch ein Gutachten des Neurologen, welches eine Anfallsfreiheit bescheinigt, verlangt.

Autofahren nach einem epileptischen Anfall: Wann ist das wieder erlaubt?

Auch die Wirkung von Medikamenten spielt beim Thema "Autofahren und Epilepsie" eine Rolle.

Auch die Wirkung von Medikamenten spielt beim Thema “Autofahren und Epilepsie” eine Rolle.

Das Autofahren trotz Epilepsie ist nicht verboten, unterliegt jedoch strengen Vorgaben und Auflagen. So müssen Epileptiker mindestens einmal im Jahr zum Arzt, um die Fahrtauglichkeit bescheinigen zu lassen. Nach einer bestimmten Zeit ohne Ereignis sind auch längere Zeiträume zwischen den Untersuchungen möglich.

Nach einem epileptischen Anfall wird zunächst ein ärztliches Fahrverbot von mindestens drei Monaten ausgesprochen. Treten die Anfälle häufiger auf, kann ein solches Fahrverbot auch länger bestehen. Sind Betroffene für eine bestimmte Zeit anfallsfrei, kann die Fahrtauglichkeit wieder bescheinigt werden.

Die Führerscheinklassen werden in Bezug auf Epilepsie und Autofahren in zwei Gruppen unterteilt. Zur Gruppe eins der PKW und Motorräder bis 3,5 t gehören die Klassen A, A1, A2, AM, B, BE, L und T. In der Gruppe zwei (LKW) sind C, CE, C1, C1E, D, DE, D1 und D1E zu finden.

Für die Gruppe eins wird die Fahrtauglichkeit nach einem Anfall unter bestimmten Umständen wiedererteilt. Tritt beispielsweise ein erster Anfall unverschuldet auf und folgt innerhalb von sechs Monaten kein weiterer, wird in der Regel bei dieser Epilepsie das Autofahren wieder erlaubt.

Ähnlich wird das gehandhabt, wenn nach einem verschuldeten Anfall, z. B. durch Schlafmangel oder Nichteinnahme der Medikamente, innerhalb von drei Monaten kein erneuter Anfall auftritt.


Wenn Sie nach mehreren Anfällen ein Jahr lang anfallsfrei sind, wird das Autofahren bei Epilepsie üblicherweise wieder gestattet. Das Gleiche gilt bei Anfällen ohne Bewusstseinseinschränkung oder weiteren Behinderungen. Sind die Ereignisse ausschließlich auf den Schlaf beschränkt, muss eine Beobachtungszeit von mindestens drei Jahren eingehalten werden.

Auch Berufskraftfahrer dürfen unter bestimmten Umständen nach Anfällen Autofahren - trotz Epilepsie.

Auch Berufskraftfahrer dürfen unter bestimmten Umständen nach Anfällen Autofahren – trotz Epilepsie.

Epileptiker und deren Ärzte sollten auch beachten, dass einige Antiepileptika und verschriebene Medikamente zur Symptomlinderung die Wahrnehmung beeinträchtigen können und so zu einer Unfähigkeit, ein Fahrzeug sicher zu führen, beitragen können. Hier sind die Nebenwirkungen immer von Bedeutung.

Epilepsie: Autofahren in der Gruppe 2

Inhaber der Führerscheine, die in die zweite Gruppe fallen, müssen weitaus strengere Regelungen beachten. Insbesondere Autofahrer, die Personen befördern, werden bei einer solchen Erkrankung besonders beobachtet. So wird auch hier bei einer Epilepsie das Autofahren nur unter bestimmten Umständen wieder erlaubt. Betroffene dürfen keine Antiepileptika einnehmen. Zudem dem darf nach dem ersten, unverschuldeten Anfall innerhalb von zwei Jahren kein weiterer hinzukommen. Ist der Anfall verschuldet, muss der Fahrer mindestens sechs Monate anfallsfrei sein.

Erfolgen fünf Jahre lang ohne eine medikamentöse Therapie kein Anfälle, wird hier in der Regel die Fahrerlaubnis wiedererteilt.

Folgen der Epilepsie beim Autofahren

Neben der Gefährdung des eigenen Lebens und anderer Verkehrsteilnehmer kann das Autofahren mit Epilepsie auch weitere Folgen für den Autofahrer haben, wenn er sich entgegen der Bestimmungen hinters Steuer setzt.

Liegt ein ärztliches Fahrverbot vor und fahren Betroffene dennoch, kann dies durchaus als Vorsatz ausgelegt werden, besonders wenn es zu einem weiteren Anfall kommt. Dies kann im Falle eines Unfalls Einfluss auf den Versicherungsschutz und somit auf die Regulierung haben. Kommt es zu Personenschäden, kann das Verhalten als Straftat gelten, was ein Verfahren und eventuell auch eine Verurteilung zur Folge hat. Hier ist mit Geld- oder Freiheitsstrafen zu rechnen.

Zudem kann dies auch als Fahren ohne Fahrerlaubnis geahndet werden.

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