MPU im Ausland machen – Kein sinnvolles Unterfangen

Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) gibt es im Ausland nicht

Machen Sie die MPU im Ausland, kann es sein, dass die deutschen Behörden diese nicht anerkennen.

Machen Sie die MPU im Ausland, kann es sein, dass die deutschen Behörden diese nicht anerkennen.

In Deutschland wird Verkehrssündern bei besonders negativer Auffälligkeit im Straßenverkehr, beispielsweise Alkohol am Steuer oder bei acht Punkten in Flensburg, eine MPU auferlegt, bevor der Betroffene seinen Führerschein wiedererhält. Im europäischen Ausland gibt es eine solche Maßnahme nicht. Dafür sind hier die Bußgelder in der Regel sehr viel höher.

Trotzdem kommt es vor, dass sich Betroffene fragen, ob sie ihre MPU im Ausland, etwa in Tschechien oder Polen, machen können. Dabei spielt der Gedanke eine Rolle, dass hier bei vergleichsweise geringerem Kostenaufwand ein positives Gutachten leichter zu erzielen ist.

Warum es nicht sinnvoll ist, dieser Versuchung zu erliegen und auf eine Wiedererlangung von Führerschein und Fahrerlaubnis zu hoffen, wenn die MPU im Ausland absolviert wurde, fasst dieser Artikel zusammen.

Die Bestimmungen für eine MPU sind streng

Die Fahrerlaubnisbehörde in Deutschland kann bei der Anordnung einer MPU festlegen, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um letztlich wieder an den Führerschein zu gelangen. Diese können im Ausland in den seltensten Fällen erfüllt werden.

Bei einer MPU aus dem Ausland könnte ihnen der Führerschein verwehrt werden.

Bei einer MPU aus dem Ausland könnte ihnen der Führerschein verwehrt werden.

Eine entsprechende Vorgabe der deutschen Behörde kann beispielsweise sein, dass der untersuchende Mediziner einen bestimmten Facharzttitel (etwa der Rechtsmedizin) innehat.

Ärzte, etwa in Osteuropa (beispielsweise aus Tschechien, Polen etc.), können gewisse Titel in der Regel nicht vorweisen, da es sich um deutsche Eigenheiten handelt. Außerdem sind die in Deutschland gültigen MPU-Laborrichtlinien aus dem Jahre 2010 einzuhalten, die bestimmte Regeln in der Verfahrensweise vorschreibt. Dabei geht es insbesondere um die Laboruntersuchungen von Haar- und Urinproben für den Abstinenznachweis bei Alkohol- oder Drogenfahrten.


Selbst wenn die oben genannten Kriterien erfüllt würden, bleibt die Anerkennung des MPU-Gutachtens durch die Behörde eine Ermessenssache derselben. Dass Sie Ihren Führerschein auf diese Weise wiederbekommen, ist also eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen.

Kein Gesetz oder richterlicher Beschluss legt bisher fest, ob eine MPU, die im Ausland gemacht wurde, in Deutschland anerkannt werden muss. Die Behörden lehnen ausländische MPU in der Regel jedoch ab.

Neben dem illegalen Kauf eines MPU-Gutachtens ist also auch davon abzuraten, die MPU im Ausland zu machen, um die Auflage der Behörde zu umgehen und den Führerschein wiederzuerlangen. Ein legaler Weg ist es dagegen, den Führerschein im Ausland neu zu beantragen.

Ist es eine Alternative, den Führerschein im Ausland zu machen?

Wollen Sie den Führerschein statt der MPU im Ausland machen, müssen Sie Ihren Wohnsitz in diesem Land haben. Sonst ist die Fahrerlaubnis in Deutschland nicht gültig.

Wollen Sie den Führerschein statt der MPU im Ausland machen, müssen Sie Ihren Wohnsitz in diesem Land haben.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat 2012 entschieden, dass ein EU-Führerschein uneingeschränkt in Deutschland gültig sein muss. Menschen, die ihre MPU umgehen wollen, können dies also ganz legal tun, indem Sie sich an Agenturen in Tschechien, Polen oder der Slowakei wenden. Diese übernehmen gewisse bürokratische Hürden, die es hierfür zu nehmen gilt.

Denn damit ein im Ausland gemachter EU-Führerschein auch in Deutschland Gültigkeit hat, muss der Inhaber zur Zeit des Erwerbs für mindestens sechs Monate im entsprechenden Land seinen Wohnsitz haben.

Außerdem darf zum Zeitpunk der Ausstellung des Dokuments keine Sperrfrist in Deutschland bestehen, da der Führerschein hier sonst nicht gültig ist (im Gegensatz zum EU-Ausland).

Fazit: Die MPU im Ausland zu machen ist keine gute Idee, da vieles dagegen spricht, dass die Behörde das Gutachten anerkennt und Ihnen den Führerschein wieder aushändigt.

Eine Alternative kann es dagegen sein, nach Ablauf der Sperrfrist den Führerschein im EU-Ausland neu zu beantragen. Es ist jedoch zu empfehlen, stattdessen die MPU wie vorgesehen in Deutschland zu absolvieren.

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