MPU: Auf “Verjährung” warten?

Verjährt eine MPU irgendwann?

Kann man eine MPU durch Verjährung umgehen?
Kann man eine MPU durch Verjährung umgehen?

Wenn Ihnen die Fahrerlaubnisbehörde eröffnet, dass Sie eine medizinisch-psychologische Untersuchug absolvieren müssen, bevor Ihnen der Führerschein zurückgegeben wird, entstehen verschiedene Fragen. “Was kostet mich das?” und “Mit welchen MPU-Fragen muss ich rechnen?” sind nur einige Ansatzpunkte.

Oftmals grübeln Betroffene auch darüber, wie Sie die MPU umgehen können. Es ist natürlich davon abzuraten, illegale Wege zu gehen und etwa ein positives MPU-Gutachten zu kaufen. Dagegen gibt es im Wesentlichen zwei legale Möglichkeiten, ohne diese Untersuchung an den Führerschein zu kommen. Zum einen kann ein EU-Führerschein im Ausland gemacht werden, insofern ein sechmonatiger Wohnsitz im entsprechenden Land vorliegt und die Sperrfrist abgelaufen ist.

Zum andern können Sie auch eine Verjährung der MPU-Anordnung warten. Doch wann verjährt eine MPU? Dieser Frage widmet sich der vorliegende Ratgeber. Sie werden erfahren, warum Sie sich auf eine lange Zeit des Ausharrens einstellen müssen, wenn Sie darauf warten wollen, dass Ihre MPU verjährt.

Wann verjährt die MPU? Das steht im Straßenverkehrsgesetz (StVG)

Zunächst einmal ist zu klären, dass eine MPU keiner Verjährungsfrist ausgesetzt ist. Denn Anordnungen einer Straßenverkehrsbehörde haben keine Verjährungsfrist. Eine MPU kann also höchstend obsolet werden.

Auch wenn eine MPU nicht von Verjährung betroffen ist, kann sie doch verfallen. Dies geschieht immer dann, wenn die Straftat, aufgrund welcher die Untersuchung angeordnet wurde, aus der Akte genommen wird.

Die “Verjährung” der MPU geht also mit der Streichung der Straftat aus den Akten einher. Nun lautet die entscheidende Frage natürlich, wann diese Streichung stattfindet und der Führerschein auch ohne MPU wiedererlangt werden kann.

Die Frist für eine MPU-"Verjährung" liegt bei zehn Jahren. Allerdings setzt diese erst nach fünf Jahren ein.
Die Frist für eine MPU-“Verjährung” liegt bei zehn Jahren. Allerdings setzt diese erst nach fünf Jahren ein.

Die Antwort finden wir in Paragraph 29 des Straßenverkehrsgesetzes (StVG). Darin heißt es, dass die Tilgungsfristen für Eintragungen wegen Straftaten zehn Jahre betragen, wenn hierdurch die Fahrerlaubnis entzogen wurde.

Wenn Sie also zum Beispiel mit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut angehalten werden und es daraufhin zur Entziehung der Fahrerlaubnis kommt, wird diese Straftat nach zehn Jahren aus Ihrer Akte gelöscht. Den Führerschein können Sie erst nach einer (mindestens drei Monate andauernden) Sperrfrist wiedererhalten.

Obendrauf kommt in der Regel die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU). Die “Verjährung” der Straftat setzt jedoch nicht sofort ein. Vielmehr kann es fünf Jahre dauern, bis die Tilgunngsfrist anläuft. Auch diese Regelung findet sich in § 29 StVG:

Bei der […] Entziehung der Fahrerlaubnis […][oder] der Anordnung einer Sperre […] beginnt die Tilgungsfrist erst mit der Erteilung oder Neuerteilung der Fahrerlaubnis, spätestens jedoch fünf Jahre nach der Rechtskraft der beschwerenden Entscheidung […].

Wieso die MPU-Verjährung oft erst nach 15 Jahren abläuft

In der Regel beginnt für Menschen, die auf eine MPU-“Verjährung” warten, die Tilgungsfrist also nach fünf Jahren, wodurch sich eine Wartezeit von 15 Jahren ergibt.

In diesen 15 Jahren dürfen Sie sich kein Verkehrsvergehen zu Schulden kommen lassen, da dies wiederum in Ihre Akte bei der Fahrerlaubnisbehörde aufgenommen wird. Durch Fahrradfahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder auch Ordnungswidrigkeiten als Fußgänger kann sich die Wartezeit also verlängern.

Auch kommt es zu einer “beschwerenden Entscheidung” wenn erneut eine MPU angeordnet wird. Das heißt, sollten Sie während der beschriebenen 15 Jahre erneut den Führerschein beantragen, beginnt die Tilgungsfrist unter Umständen von vorne, da die Fahrerlaubnisbehörde in diesem Fall wieder eine MPU anordnet.

FAQ: MPU-Verjährung

Verjährt eine MPU irgendwann?

Eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) kann zwar nicht verjähren, dafür aber der Verstoß, der zur Entziehung der Fahrerlaubnis und damit auch zur MPU führte. Die Frist beträgt 15 Jahre.

Gibt es den Führerschein also nach 15 Jahren auch ohne MPU zurück?

Ja. Während dieser Zeit sollten Sie allerdings keine erneute Ordnungswidrigkeit oder Straftat begehen, weil die Frist sonst unterbrochen werden kann.

Was sollten Sie außerdem bedenken?

15 Jahre sind eine lange Zeit. Daher kann die zuständige Behörde eine erneute Führerscheinprüfung von Ihnen verlangen, wenn Sie nach der Verjährung einen Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis stellen.

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{ 107 comments… add one }
  • Bärbel 26. Juni 2020, 10:34

    Hallo, ich habe einen FS in Polen gemacht 2007. Bei einer Verkehrskontrolle wurden die Beamten aufmerksam und informierten die Führerscheinstelle, darauf hin, musste ich den Führerschein abgeben. Das Gericht hatte entschieden, fahren ohne FS und eine Geldstrafe. Ich habe mich an das Ministerium für Thüringen gewendet, diese haben mir auch eine Antwort gegeben: dies ist ein gültiger FS, muss in Deutschland anerkannt werden. Wie kann ein Gericht so etwas entscheiden. Wie kann ich diesen FS zurück bekommen?
    Danke für Ihre Antwort

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