Richtiges Verhalten beim Wildwechsel verringert das Unfallrisiko

Das Verkehrszeichen für Wildwechsel trägt die Nummer 142.

Das Verkehrszeichen für Wildwechsel trägt die Nummer 142.

Besonders im Herbst ist erhöhte Vorsicht auf den Straßen geboten: Es kommt vermehrt zum Wildwechsel, das bedeutet, Wildtiere sind häufiger auf der Straße anzutreffen.

Weil Tiere nicht wie menschliche Verkehrsteilnehmer reagieren, ist bei Begegnungen mit Wild ein besonderes Verhalten angebracht: Bremsen, Hupen und Abblenden. Doch wie geht es danach weiter, wenn es vielleicht sogar zum Wildunfall kam?

Welche Verkehrsregeln mit dem Gefahrenzeichen „Achtung Wildwechsel“ verbunden sind, wie Sie sich während dem Wildwechsel und nach einem Wildunfall verhalten müssen und ob ein Bußgeld droht, erfahren Sie in diesem Ratgeber.


Verkehrszeichen für Wildwechsel: Nur eine Warnung?

Bei dem Schild, das darauf hinweist, dass sich Wild verstärkt im Wechsel befindet, das heißt, die Straße überquert, handelt es sich um ein Gefahrzeichen. Es warnt sozusagen vor Begegnungen bzw. Zusammenstößen mit Wildtieren.

Das Verkehrszeichen Nummer 142 bedeutet so viel wie „Achtung“ oder „Vorsicht Wildwechsel“. In § 40 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) steht:

Gefahrzeichen mahnen zu erhöhter Aufmerksamkeit, insbesondere zur Verringerung der Geschwindigkeit im Hinblick auf eine Gefahrsituation (§ 3 Absatz 1).

Viele Autofahrer gehen fälschlicherweise davon aus, dass solche Gefahrzeichen nur „mahnen“ und deshalb nicht mit Konsequenzen verbunden sind, wenn sie ignoriert werden. Das ist aber so nicht richtig, weil § 3 Abs. 1 StVO hinzugezogen werden muss. Hier heißt es:

Achtung Wildwechsel: Ein Schild macht bereits im Vorfeld auf die Gefahr aufmerksam.

Achtung Wildwechsel: Ein Schild macht bereits im Vorfeld auf die Gefahr aufmerksam.

Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m, darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, dass dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden könnten, muss jedoch so langsam gefahren werden, dass mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke gehalten werden kann.

Das Gefahrzeichen hat zwar „nur“ eine Warn- bzw. Mahnfunktion, ist aber durchaus mit Pflichten seitens des Kfz-Führers verbunden, z. B. der Verringerung der Geschwindigkeit.

Die Mahnung zur „erhöhten Aufmerksamkeit“ darf nicht ignoriert werden

Die Mahnung, die dem Verkehrszeichen für Wildwechsel zugrunde liegt, legt Autofahrern ein bestimmtes Verkehrsverhalten nahe. Sobald das Zeichen wahrgenommen wird, ist der Fahrer verpflichtet, die damit verbundenen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Die in § 40 Abs. 1 StVO geforderte erhöhte Aufmerksamkeit bei Gefahrzeichen verweist außerdem auf den in § 1 StVO festgelegten Grundsatz der ständigen Vorsicht und gegenseitigen Rücksicht.

Die Geschwindigkeit sollte in Erwartung der Gefahr reduziert werden. In jedem Fall darf die Geschwindigkeit ab dem Schild nicht mehr erhöht werden. Ignorieren Sie das Verkehrsschild, das vor Wildwechsel warnt und es kommt zum Wildunfall, können deshalb auch ein Bußgeld und Punkte in Flensburg drohen.

Sie haben die Warnung vor Wildwechsel übersehen? Die Rechtsprechung zeigt, dass dies in den meisten Fällen negativ bewertet wird. Dem Autofahrer kann dann mangelnde Aufmerksamkeit im Straßenverkehr vorgeworfen werden.

An welchen Stellen warnt das Schild vor Wildwechsel?

Vor allem in Waldschneisen kommt es vor, dass Wild beim Wechsel der Straßenseite erwischt wird.

Vor allem in Waldschneisen kommt es vor, dass Wild beim Wechsel der Straßenseite erwischt wird.

Haben Sie das Wildwechsel-Verkehrsschild schon einmal innerhalb geschlossener Ortschaften gesehen? Nein? Das liegt daran, dass es zum Aufstellen von Gefahrzeichen gesonderte Verwaltungsvorschriften gibt.

Das Wildwechsel-Schild Nummer 142 darf nur an Straßen mit schnellerem Verkehr aufgestellt werden, und zwar an Stellen, wo Wildtiere häufig von einer Straßenseite auf die andere wechseln. Das können zum Beispiel Waldschneisen sein.

Wo genau häufig mit Wildwechsel zu rechnen ist, legen die Behörden in Rücksprache mit Jagdbehörden und Jagdausübungsberechtigten fest. Handelt es sich um eine Waldstrecke, wird außerdem das Forstamt hinzugezogen.

Allgemein werden Gefahrzeichen außerorts etwa 150 bis 250 Meter vor der Gefahrstelle platziert. Ein Zusatzschild kann anzeigen, über welche Streckenlänge die erhöhte Aufmerksamkeit geboten ist. Handelt es sich um eine längere Strecke, muss auch öfter durch ein Schild vor Wildwechsel gewarnt werden (sozusagen als Erinnerung).

Richtiges Verhalten bei Wildwechsel

Die Straßenverkehrsbehörde warnt deshalb vor Wildwechsel, weil das falsche Verhalten zu schweren Sach- und Personenschäden führen kann. Immer wieder lenken Autofahrer bei gefährlichen Brems- und Ausweichmanövern in den Gegenverkehr oder den Straßengraben.

Das Statistische Bundesamt berichtet von jährlich 200.000 Wildunfällen, davon 2.500 mit Personenschaden (10-20 Todesfälle). Wesentlich höher ist die Zahl der Todesfälle bei den Wildtieren. Am häufigsten trifft es Rehe, aber auch Wildschweine kommen sehr oft unter die Räder.

Verhalten bei Wildwechsel: Stark bremsen und gefährliche Ausweichmanöver vermeiden.

Verhalten bei Wildwechsel: Stark bremsen und gefährliche Ausweichmanöver vermeiden.

Deshalb sollten Sie sich beim Wildwechsel richtig verhalten.

  • Geschwindigkeit reduzieren: Bemerken Sie ein Tier am Straßenrand, reduzieren Sie die Geschwindigkeit. Wildtiere können die Geschwindigkeit von Autos nicht abschätzen, weshalb jederzeit damit zu rechnen ist, dass sie auf die Fahrbahn laufen.
  • Bremsbereit bleiben: Ein Wild kommt selten allein. Denken Sie daran, dass Gefährten im Dickicht und an anderen Stellen auf der Strecke sein könnten. Bleiben Sie deshalb unbedingt bremsbereit.
  • Nicht ausweichen: Gefährliche Ausweichmanöver können ins Auge gehen, besonders dann, wenn in den Gegenverkehr oder den Straßengraben gelenkt wird.
  • Stark bremsen: Statt auszuweichen, sollten Sie deshalb sehr stark bremsen. Bei ausreichend reduzierter und an die Sichtweite angepasster Geschwindigkeit sollten Sie noch vor dem Tier zum Stehen kommen. Ein Zusammenstoß kann nicht ausgeschlossen werden, gilt im Vergleich zum Ausweichmanöver aber als weniger gefährlich.
  • Lenkrad gerade halten: Das Lenkrad sollte fest und gerade gehalten werden, damit das Fahrzeug nicht ins Schleudern gerät und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.
  • Hupen und Abblenden: Wildtiere, besonders Rehe, neigen dazu, beim Anblick der Scheinwerfer zu erstarren. Deshalb sollte z. B. das Fernlicht ausgeschaltet werden. Hupen Sie zusätzlich, um das Tier zu verscheuchen.
In anderen Ländern kann es sein, dass das Ausweichmanöver der Vollbremsung vorzuziehen ist. In Schweden beispielsweise sind Zusammenstöße mit Elchen wesentlich gefährlicher als ein Zusammenprall mit vergleichsweise kleineren Rehen hierzulande.

In diesen Zeiten herrscht besonders viel Wildwechsel auf den Straßen

Zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten häuft sich die Zahl der Wildwechsel. Besonders in der Dämmerung kreuzen Wildtiere die Wege der Autofahrer. Das liegt daran, dass die Tiere dann auf Nahrungssuche sind.

Zwischen 17 Uhr abends und 8 Uhr morgens sollten Autofahrer besonders vorsichtig und stets bremsbereit sein. Sehr aktiv sind die Tiere auch während der Brunft- und Paarungszeit, diese sind aber nicht für jedes Wild gleich. Folgende Tabelle dient zur Orientierung:

Wild­tierBrunft- und Paar­ungs­zeit
RehJu­li - Au­gust
HirschSep­tem­ber - Ok­to­ber
DachsJu­li - Au­gust
Feld­ha­seJa­nu­ar - Au­gust
FuchsJa­nu­ar - Feb­ru­ar
Wild­schweinNo­vem­ber - De­zem­ber
Wasch­bärFe­bru­ar - März

Zusammenstoß beim Wildwechsel: Verhaltensregeln nach dem Wildunfall

Wildwechsel: Nach einem Wildunfall sollten Sie das Tier nicht anfassen.

Wildwechsel: Nach einem Wildunfall sollten Sie das Tier nicht anfassen.

Wildunfälle kommen besonders in ländlichen Regionen häufig vor. Stoßen Sie beim Wildwechsel mit dem Tier zusammen und verletzen dieses dabei, sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Warnblinkanlage betätigen und Unfallstelle absichern.
  • Die Polizei unter der Nummer 110 über den unglücklichen Wildwechsel informieren und den genauen Standort angeben. Mancherorts ist zusätzlich der Jäger zu verständigen.
  • Auch wenn das Tier verletzt ist, sollten Sie es nicht anfassen. Besonders verletzte Wildscheine gelten als aggressiv.
  • Warten Sie bis die Polizei oder der Jäger eintrifft.
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